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Nachruf auf eine Unbekannte

Gestern war ich mit einer Freundin in einem meiner Lieblingrestaurants essen. Wir haben herrlich französisch gespeist und es uns so richtig gut gehen lassen. Zu vorgerückter Stunde erinnerte ich mich plötzlich an dich. Als ich vor einem halben Jahr mit der gleichen Freundin am gleichen Tisch saß, bist du zu uns herüber gekommen. Du warst auffallend bunt gekleidet, dein blondes Haar hattest du lose zu einem Dutt aufgesteckt, dein Lippenstift war verschmiert … du hast leicht geschwankt, ein halb volles Glas Rotwein in der Hand. Du hast das Gespräch mit uns gesucht. Eine betrunkene Frau in meinem Alter, die verzweifelt Kontakt suchte. Meine Freundin und ich antworteten nur halbherzig und waren froh, als du dir an der Bar ein anderes “Ofer” suchtest. Wir fühlten uns peinlich berührt. Der Wirt erzählte uns, dass du häufig zu ihm ins Lokal kommst, um dich zu betrinken. Keiner wollte so wirklich etwas mit dir zu tun haben – keiner wollte deine Gesellschaft. Eine gescheiterte Existenz, mühsam durch bunte Kleidung zusammen gehalten, laut nach dem nächsten Glas Wein schreiend, mit traurigen Augen und einem müden Lächeln, das eigentlich gar kein Lächeln mehr war.

Zu vorgerückter Stunde erinnerte ich mich plötzlich an dich und habe erfahren, dass du vor ein paar Wochen deinem Leben ein Ende gemacht hast. Du hast alles Bunte an dir abgelegt, hast dir ein Glas Wein eingeschenkt, dein Badezimmer luftdicht verschlossen und in der Badewanne Kohlen zum Glühen gebracht. Der Rauch hat dich für immer einschlafen lassen. Ich wünsche dir so sehr, dass dich das Licht, das du bei deinem letzten Atemzug gesehen hast, freundlich bei der Hand genommen hat, um dich mit einem sanften Kuss in den Himmel zu entführen – dorthin wo es für deinen Schmerz keinen Platz mehr gibt.


Mutig dem eigenen Herzen folgen, auch wenn alles dagegen spricht!

Vor einiger Zeit habe ich voller Euphorie eine tolle Nachricht auf Facebook gepostet. Erinnert Ihr Euch? Ein großer – wirklich sehr großer! – Kochbuchverlag war mit einem genialen Konzept an mich heran getreten. Es klang alles super, außerdem war ich die ERSTE Wahl des Verlages. Das heißt im Klartext, dass zur Not auch noch Verhandlungsspielraum zu meinen Gunsten drin war. Ich war happy und im siebten Himmel. Die Aussicht, mir heuer auf einen Schlag keine finanziellen Sorgen machen zu müssen (es ist ja nicht immer leicht als freiberufliche Autorin), ließ mein Herz höher schlagen. Ich ließ mich also auf ein persönliches Treffen ein und traf auf eine äußerst engagierte und liebenswerte Projektleiterin – wieder ein Pluspunkt! – und ein wunderschön durchdachtes Buchprojekt, das mir begeistert vorgetragen wurde. Am Honorar musste zwar noch gefeilt werden, aber ich radelte beseelt nachhause, ganz sicher, dass bald mein Name landauf, landab auf einem weiteren Kochbuch prangen würde. In der darauffolgenden Nacht schreckte ich gegen zwei Uhr morgens plötzlich aus dem Schlaf hoch. Die Worte “Mach das nicht!” schwebten fast greifbar in meinem Schlafzimmer. Ich lag da und wurde plötzlich mit einem Mal ganz ruhig. Mein Herz sprach mit mir. Es sagte: “Ich will gar keine Kochbuchautorin im großen Stil sein. Es langweilt mich! Rezepte tippen fordert meinen Geist nicht heraus. Ich lerne dabei nichts – außer wie man Suppen klärt, Fisch auf den Punkt gart oder eine geile Brühe kocht. Aber das reicht mir nicht!” Ich lag da und war fassungslos. Dann stand ich wie unter Hypnose auf, fuhr meinen Laptop hoch und begann eine Mail an den Verlag zu schreiben. Ich sagte ab. Ich schrieb genau das, was mir mein Herz diktierte – es ging ganz leicht. Zur gleichen Zeit war meine kleine Schwester (im Geiste) Therese in Kanada online. Sie fragte mich, was ich denn so spät nachts noch am Computer machte. Ich erzählte es ihr und auch, dass, wenn ich diese Mail jetzt abschicke, keinen Buchauftrag für dieses Jahr haben würde. Kein Auftrag, kein Geld! So einfach ist das. Sie schrieb: “Mach’s!”

Am nächsten Morgen bekam ich noch vor Bürobeginn eine Antwort mit der Bitte, meine Absage nochmal zu bestätigen. Das tat ich. In der Folgemail stand dann: “Wir bewundern Ihre Ehrlichkeit und den Mut, Ihrem Herzen zu folgen. Falls sie irgendwann doch noch ein Kochbuch schreiben wollen, lassen Sie es uns jederzeit wissen.” Na ja, wer weiß … :)

 


Das große, weite Herz

Hallo Ihr Lieben, ich habe mich nun schon so lange nicht mehr via Blog bei Euch gemeldet, bitte verzeiht mir! So viel ist geschehen im vergangenen Jahr, sodass ich total vergessen habe, mich um meine Website zu kümmern. Neue Bücher haben das Licht der Welt erblickt, viele schöne Kurse haben in meiner Küche stattgefunden – und ich habe, zusammen mit meiner nepalesischen Wahlfamilie, das große Erdbeben im April 2015 überlebt. Jetzt im Frühjahr wird ein kleiner Artikel von mir in der INTERSEIN, einer buddhistischen Zeitschrift in der Tradition von Thich Nhat Hanh, erscheinen, den ich hier vorweg veröffentlichen werde. So seid Ihr wieder auf dem neusten Stand. Außerdem versuche ich mich wieder regelmäßiger von dieser Stelle aus zu melden – mal schauen, ob’s klappt. Bis dahin alles Liebe, Eure Herzensköchin

Das große allumfassende Herz

Wie durch das Erdbeben in Nepal aus dem Ich ein Wir wurde

 

Mein kleiner, siebenjähriger Patensohn Suresh lebt in einem Waisenhaus nahe Kathmandu. Jedes Jahr im Frühjahr besuche ich ihn und seine zwanzig „Geschwister“ für ein paar Monate – so auch im Frühjahr 2015, als in Nepal die Erde bebte. Es war kurz vor zwölf Uhr mittags, wir saßen gerade alle draußen im Hof des Waisenhauses und aßen gemeinsam Obst und Kekse, als wir ein lautes Donnern und Grollen hörten, das tief aus der Erde kam. Dann begann sich die Welt um uns herum buchstäblich aus den Angeln zu heben. Wir liefen um unser Leben und versammelten uns schließlich alle weinend auf einem brachliegenden Kartoffelacker. Manche unserer Kinder zitterten wie Espenlaub, und ich fühlte, wie Sureshs kleine Hand in der meinen zuckte.

Das Erdbeben dauerte exakt 56 Sekunden. Danach war nichts mehr wie zuvor. In dieser kurzen Zeit wurden wir obdachlos. Unser Waisenhaus stand zwar noch, war aber instabil geworden.

Nach und nach versammelten sich alle Dorfbewohner, darunter viele Freunde und Nachbarn, auf dem kleinen Acker. Allen stand der Schock ins Gesicht geschrieben. Unsere Kinder weinten. Wir Erwachsenen versuchten, uns die Angst nicht anmerken zu lassen. Das Wetter hatte umgeschlagen. Es blies ein kalter Wind. Unter Lebensgefahr liefen wir schnell ins Haus und holten Decken für die Kinder und ein paar Plastikplanen, die wir auf der nackten Erde ausbreiteten. Dann kauerten wir uns alle zusammen, um uns zu wärmen. Viele von uns waren nur leicht bekleidet, denn der Morgen hatte warm und sonnig begonnen.

Zu diesem Zeitpunkt war uns das ganze Ausmaß der Katastrophe noch gar nicht bewusst. Wir dachten, dass sich die Erde nach ein paar Stunden beruhigen würde und wir zu unserem Alltag und in die noch stehenden Häuser zurückkehren könnten. Doch dem war nicht so. Immer wieder erschütterten mehr oder weniger schwere Nachbeben unser Dorf, und gegen Abend wurde klar, dass wir die Nacht im Freien verbringen mussten. Wir hatten zwar alle überlebt, und wie durch ein Wunder war auch niemand verletzt worden, aber 80 Häuser waren eingestürzt – und jene Häuser, die noch standen, waren einsturzgefährdet. Keiner traute sich, in ihnen zu schlafen.

Als die Dämmerung hereinbrach, machten wir uns daran, uns mit den Kindern für die erste Nacht unter freiem Himmel einzurichten. Es würden noch viele Nächte draußen folgen, doch das wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Der Boden unter uns war uneben, und es war schwierig, eine entspannte Lage für den Körper zu finden. Neben mir, den Kindern und dem Rest der Familie hatten sich noch eine Handvoll Nachbarn auf unserem Feld häuslich eingerichtet. Als wir uns zum Schlafen niederlegten, riss die Wolkendecke auf und gab einen wunderschönen Sternenhimmel frei. Jemand legte mir meinen schlummernden Patensohn in die Arme und deckte uns beide zu.

In jener Nacht machte ich kein Auge zu. Unter mir grollte die Erde, und die Menschen um mich herum waren unruhig. Manchmal wachte jemand auf und sagte etwas in dieser fremden, schönen Sprache, von der ich bis heute nur ein paar rudimentäre Wortfetzen verstehe. Der alte Besitzer des Teehauses, der zwei Körper weit von mir weg lag, schnarchte laut und unregelmäßig. Der Wind pfiff über uns hinweg, doch mir war nicht kalt. Wie in einer aneinandergedrängten Herde von Tieren wärmten unsere Körper sich gegenseitig. Ich fühlte mich mit einem Mal unendlich geborgen, und alle Angst war verflogen. Stille Freude ergriff mein Herz. Wir erlebten alle das gleiche schreckliche Unglück, aber wir waren zusammen, und nur das zählte in diesem Augenblick.

Im Laufe der kommenden Wochen wuchs unser Dorf zu einer eingeschworenen Gemeinschaft zusammen.Wir halfen einander, wo wir konnten, und überlebten auch das zweite, schwere Erdbeben am 12. Mai alle unverletzt.

 

Verbundensein über alle Grenzen hinweg

Die außergewöhnlichen Erfahrungen von Nähe und Mitgefühl haben mich bis heute nachhaltig geprägt. Jegliche persönliche Grenze war damals aufgehoben. Wir schliefen, aßen, weinten und lachten zusammen. Wir teilten alles, denn es gab keinen persönlichen Besitz mehr: Essen, Decken und Kleidung. Gemeinsam betete ich mit den Menschen zu Ram, Krishna und Shiva, und sie sangen mit mir voller Inbrunst die buddhistische Zufluchtnahme. Keiner musste mit seiner Angst allein bleiben, und dieser liebevolle Zusammenhalt wird uns für immer, auch über alle irdischen Grenzen hinweg, miteinander verbinden.

Fünf Tage nach dem ersten großen Beben wagten wir Erwachsenen uns erstmals hinunter in die Stadt, um nach Freunden und Angehörigen zu suchen. Wir trafen auf eine im Kern vollkommen zerstörte Stadt. Alle, die wir kannten, hatten zwar überlebt, doch keiner hatte mehr ein Dach über dem Kopf. Auf dem Tempelplatz im Herzen Bhaktapurs standen inmitten des Chaos große Zelte mit chinesischen Schriftzeichen. Es hatte sich in der Bevölkerung längst herum gesprochen, dass China und Indien als erste Hilfe gesandt hatten. Eigentlich waren alle skeptisch, denn mit beiden Ländern hat das kleine Nepal immer wieder politische Probleme, doch nun begrüßten uns vor den Hilfszelten freundliche und warmherzige Menschen, die alles dafür taten, damit es uns besser ging. Wir wurden mit Medikamenten und Hygieneartikel versorgt. Ein junger chinesischer Arzt versprach uns, ins Dorf zu kommen, um alle Kinder, die bereits erste Anzeichen von Hauterkrankungen zeigten, zu untersuchen. Am nächsten Tag kam er in einem Armeejeep angefahren, auf der Pritsche Plastikplanen und mehrere Säcke Reis für uns und die Kinder.

 

Das liebevolle Herz in jedem von uns

Neben den vielen großen und kleinen Erfahrungen des Zusammenhalts in unserem Dorf ist mir am lebhaftesten die Begegnung mit unserer Schneiderin in Erinnerung geblieben. Kurz vor den Beben hatte sie in Bhaktapur geheiratet und sich einen großen Wunsch erfüllt: Oberhalb des kleinen Lebensmittelladens ihres Mannes war eine kleine Nähstube für sie eingerichtet worden. Eine Woche vor dem ersten Beben hatte ich sie in ihrer Stube besucht und ihr den Auftrag gegeben, Schuluniformen für unsere Kinder anzufertigen. Sie war so stolz auf ihre Nähmaschine. Wir lachten, alberten herum und tranken eine Tasse Tee nach der anderen.

Nach den Beben konnten wir sie telefonisch nicht mehr erreichen. Als wir in die Stadt kamen, galt unser erster Besuch der Straße, in der ihr Haus gestanden hatte. Alles war dem Erdboden gleich, kein Stein lag mehr auf dem anderen. Wir fanden sie ein paar Meter weiter unter einer Plastikplane auf einem kleinen, offenen Platz. Sie und ihre Familie hatten nichts mehr – nicht einmal ein Zelt, das ihnen Schutz vor dem Regen bot –, und dennoch hatte diese 23-jährige Frau 15 Nachbarn angeboten, Zuflucht unter ihrer zerlöcherten Plastikplane zu suchen. Noch heute steigen mir die Tränen in meine Augen, wenn ich an ihre heitere Zuversicht und an ihr Gottvertrauen denke, das sie trotz ihres Verlustes und des Leidens um sie herum ausstrahlte. Zwei Tage später kaufte ich ein großes, solides Zelt in Kathmandu, und sie konnte mitsamt ihren Nachbarn „umziehen“.

Während dieser Wochen voller Angst und Ungewissheit lernte und erfuhr ich hautnah, was ich schon immer wusste: Menschsein hat nichts mit Nationalität und Hautfarbe zu tun. Wir alle sind, sowohl in der Angst als auch im Mitgefühl, untrennbar in Bodhichitta, dem großen, allumfassenden Herzen, vereint. Wir empfinden dasselbe, und jeder Einzelne ist im Tiefsten, davon bin ich fest überzeugt, mitfühlend und liebevoll. Es liegt an uns, ob wir bereit sind, die Verkrustungen, die unsere Herzen umgeben, abzuschlagen und aufzulösen, damit Mitgefühl und Freude ungehindert fließen können – und zwar nicht erst dann, wenn uns eine große Katastrophe heimsucht.

Im Oktober 2016 werde ich meine nepalesische Familie endlich wiedersehen!

 

Spenden bitte an www.handswithhands.com – Verwendungszweck: Bhaktapur Childrenhome


Gigi

Ihr Lieben, noch wenige Tage, bis ich nach Kathmandu aufbreche. Drei Monate bei meinen Kindern und meiner Zweitfamilie in Sipadol nahe Bhaktapur liegen vor mir. Ich bin aufgeregt und freue mich sehr. Doch bevor ich mich auf den Weg um den halben Erdball mache, möchte ich mich mit einer Geschichte von Euch hier auf diesem Blog verabschieden. Ich werde in den kommenden Monaten regelmäßig über Facebook von meinen Erlebnissen in Nepal berichten. Wer also mag, kann sich gerne meinem Freundeskreis dort anschließen. Doch nun zu meiner Geschichte, die eigentlich gar keine ist; es handelt sich eher um eine schlichte Begegnung, die mich nachdrücklich beeindruckt hat. Ich habe Gigi getroffen! Vor drei Wochen stieg ich in einen Bummelzug nach Niederbayern. Ich meditiere dort regelmäßig in einem abgelegenen Meditationszentrum. Ich freute mich auf drei Wochen in kompletter Stille und mit intensiver Praxis. Auf halber Strecke musste ich umsteigen. Noch vor dem Einsteigen bemerkte ich eine junge, augenscheinlich behinderte Frau, die an der Hand ihrer Begleiterein sehr aufgeregt schien. Sie trippelte von einem Bein aufs andere und konnte es kaum erwarten, in den Zug zu steigen. Ihre Bewegungen waren extrem unbeholfen, ihr Kopf seltsam nach vorne gestreckt und ihre Hände flatterten wie fremdartige Vögel unkontrolliert in der Luft umher. Mein erstes Gefühl war Befremdung und – ja! – auch Abwehr, aber ich beschloss aus genau diesen Gründen mich in die Nähe der beiden zu setzen. Die junge Frau wurde liebvoll von Mantel und Mütze befreit; sie stieß dabei spitze Schreie aus, die unangenehm durch das ganze Abteil gellten. Und auch als sie sich setzte schrie sie weiter. Doch kaum hatte sich der Zug in Bewegung gesetzt, begann sie rhythmisch auf den Abfallbehälter unter dem Fenster zu klopfen und laut und voller Freude “Gigi!!!” zu rufen. Sie lachte und lachte dabei und irgendwann sprang ihre ungebändigte Freude auch auf mich über. Zwischen all den “Gigis” tönten immer wieder lange und kurze “Uhs?” und “Ahs?”, die stets wie Fragen klangen. Dann wandte sie sich plötzlich mir zu. Ihre Augen waren braun und trotz der Freude irgendwie ausdruckslos. Sie starten mich an. Ich konnte kein “Erkennen” im herrkömmlichen Sinne in ihnen entdecken. Es war, als wäre Gigi, so hatte ich das Mädchen heimlich “getauft”, irgendwo in sich selbst versunken. Sie reckte mir ihr Gesicht entgegen. “Uh?”, fragte sie mich. Ich blickte hilfesuchend zu ihrer Begleiterin. Was sollte ich antworten? Die Dame zuckte lächelnd mit den Schultern. Ein zögerndes “Gigi!”, kam über meine Lippen. Nun ging ein Strahlen über Gigis Gesicht und sie versuchte, mir unbeholfen die Hand zu schütteln. Ihre Finger waren zart wie Vogelknöchelchen. Dann wandte sie sich wieder ab und schaute auf dem Fenster, aufs Neue freudig “Gigi!!!” rufend. Drei Sationen weiter stiegen die beiden aus. Als der Zug losfuhr winkte Gigi mir mit flatternden Gesten zu, das Gesicht strahlend, ein lautes – wie sollte es auch anders sein! -  “Gigi” auf den Lippen. Ich winkte zurück. Eine Woche später, ich machte gerade Gehmeditation unter der großen Linde, die das Semniarhaus überragt, hörte ich plötzlich laut und deutlich ein “Gigi!!!” aus den noch kahlen Ästen zu mir herunter schallen. Ich blickte nach oben. Ein kleiner, schwarzer Vogel setzte gerade aus voller Kehle zum nächsten “Gigi” an. Ich lächelte in mich hinein und grüßte Gigi innerlich mit einem von Herzen kommenden AH!


Über das Verlieben

Ihr Lieben, hier meldet sich Eure treulose Tomate – nach endlos langer Zeit. Ich habe so lange nicht mehr diesen Blog gefüttert, dass ich davon ausgehe, dass die meisten schon gar nicht mehr draufklicken. Nun denn, ich wage einen neuen Versuch. Im letzten Jahr habe ich an so vielen neuen Büchern rumgetippt, dass ich gar nicht mehr auf die Idee kam, mich auch noch auf dieser Seite zu tummeln. Doch nun sind die meisten meiner Babys auf dem Weg das Licht der Buchwelt zu erblicken und ich kann ein bisschen durchatmen. Ein, zwei Monate, um genau zu sein. Mein nächstes Buch beginne ich nämlich in Nepal zu schreiben. In wenigen Wochen werde ich wieder meine Kinder aus dem Waisenhaus in Bhaktapur in die Arme schließen können. Wer hätte ahnen können, dass ich mich so unsterblich in diesen wilden Haufen verlieben werde? Damals, vor gut einem Jahr bin ich aufgebrochen, um meinen Patensohn Suresh zu besuchen. Ein Spontentschluss mit weitreichenden Folgen, wie sich später heraus stellen sollte. Eigentlich wollte ich nur ein paar Tage bleiben, fast schon als würde ich ihn nur “besichtigen” wollen. Ich schäme mich für dieses Wort, aber irgendwie war es so, wenn ich ehrlich bin. In Wahrheit war ich ganz scharf auf einen neuen, aufstrebenden Guru, der nahe Kathmandu vor zwei Jahren ein Kloster gegründet hat. Ein junger Nepali, der als erleuchtet gilt und auch noch unglaublich gut aussieht. Da wollte ich hin und mich ihm zu Füßen werfen! Doch zunächst fuhr ich mit einem maroden Taxi eine holprige Straße hinauf. Das Waisenhaus liegt oberhalb der Stadt Bhaktapur und hat an klaren Tagen einen umwerfenden Blick auf den Himalaya. Als ich ankam waren die Kinder noch in der Schule. Ich wartete mit zwei Praktikantinnen aus Australien auf ihre Ankunft. Der erste, der in den Hof kam, war mein Patensohn Suresh. Ich erkannte ihn sofort von den Fotos, die man mir geschickt hatte. Ein schmächtiger Junge mit zarten Gliedmaßen einem ebenso zarten Gesicht. Er kam auf mich zu und fragte: “You love me, aunty?” Tja, und das war’s dann auch. Mein Herz ging auf der Stelle auf wie der sprichwörtliche Hefeteig auf der warmen Heizung. Ich quoll über. Und jeden Tag, den ich mit ihm und den anderen Kindern verbrachte, quoll es mehr aus mir heraus. Es quillt immer noch – es ist nicht mehr zu stoppen. Ich verliebte mich in die Kinder, ich verliebte mich in Riya, die Waisenhausmutter, ich verliebte mich in Jamuna, Maiya und Bhavati, die drei jungen Frauen, die im Waisenhaus leben und arbeiten. Ich verliebte mich in Aama, die Patriarchin der Familie und in die Nachbarin, die wir alle “neighbour aunty” nannten. Ich verliebte mich Renee, jene junge Australierin, die mit mir im Waisenhaus lebte und in die rundliche, kleine Frau, die den Teeladen im Dorf am Laufen hält, Ich verliebte mich mit Haut und Haaren in die Felder um unser Haus herum, in den Tempel über dem Dorf, in dem der versteinerte Kopf Shivas auf gelben Tüchern ruht, und in Jack unseren Hofhund. Als ich nach ein paar Wochen wieder nachhause flog, weinte ich im Taxi auf dem Weg zum Flughafen so sehr, dass mir der Taxifahrer ein Taschentuch zustecken musste und mich der Mann beim Einchecken fragte, ob mit mir alles in Ordnung sei. Seitdem hat mein Verliebtsein nicht mehr nachgelassen, obwohl ich sie alle, also meine neue Familie in Nepal, nicht mehr wieder gesehen habe. Aber ich skype regelmäßig mit Riya und lasse mir alles haarklein erzählen. Und Sita, ein 12 jähriges Mädchen aus dem Waisenhaus, zum dem ich eine ganz besondere Verbindung habe, hat mir Nachrichten über andere Praktikanten, die nach mir kamen, zukommen lassen. “Please come home very quick quick quick!”, war ihre letzte. YES , I come home quick, very quick!!!! Eure Butali Didi! Ps: den jungen Gurun können jetzt andere anschmachten, denn ich, ich bin in ein ganzes Dorf verliebt!


We Are Family!

Namaste, Ihr Lieben,

seit ein paar Tagen bin ich zurück aus Nepal. Und noch immer bin ich hier in München nicht wirklich angekommen. mein Herz vermisst die neue Familie, die sich überraschenderweise nahe Kathmandu für mich gebildet hat. Wie viele von Euch wissen bin ich für vier Wochen dorthin gefahren, um in einem Waisenhaus nahe Bhaktapur, einer Nachbarstadt von Kathmandu, meinen Patensohn Suresh kennenzulernen. Seit genau zwei Jahren bezahle ich das Schulgeld für diesen siebenjährigen Jungen – so wie viele von uns Geld in Entwicklungsländer überweisen, um Kinder zu unterstützen. Nach ein paar Tagen in Kathmandu “checkte” ich im Waisenhaus ein. Es liegt in den Bergen oberhalb von Bhaktapur. Ein kleines Dorf, zwei/drei Teeläden, zwei Krämerläden, sonst nur Bauern. Am ersten Tag wartete ich mit zwei jungen Frauen, die im Waisenhaus als Praktikantinnen arbeiteten und zur selben Zeit wie ich angekommen sind, auf die Kinder, die um 16 Uhr nach der Schule zuhause eintrudelten. Der erste, der auf den Hof kam, war mein Suresh. Und in dem Moment zerriss etwas in meinem Herzen und unkontrolliert floß etwas aus ihm heraus, das ich nicht näher bezeichnen kann – bis heute nicht. Und bis heute ist dieser Strom nicht versiegt. Ist es Liebe? Ich hoffe es, denn es ist einfach nur grenzenlos, schön und bedingungslos.

Von heute an, sagten die beiden Waisenhauseltern bei meiner warmherzigen Begrüßung in Ihrem Haus – ich war neben dem Waisenhaus separat untergbracht – , sind wir eine Familie, und das wird sich nie wieder ändern: “We are family!” Und daran hielten und halten wir uns: die 20 Kinder im Childrenshome, die drei Hausmütter, die immer bei den Kindern sind, die Waisenhauseltern, ihre Verwandten, die mit im Nachbarhaus leben, und die Praktikantinnen, die mir im Laufe der Zeit zu Schwestern im wahrsten Wortsinn wurden. “We are family forever!”

Hierzulande wird mit Versprechen nicht so ernst umgegangen, wir verprechen einander Dinge, gaukeln einander Kontakt vor, sind nett zueinander – um plötzlich jegliche sich anbahnende Beziehung ohne Vorwarnung und Erklärung wieder abzubrechen. Wir sind schnelllebig geworden, suchen schnellen Kontakt ohne Tiefe und tauschen nach Belieben aus. Wir wählen per Mausklick. In diesem Sinne, lieber Otto, können wir uns alle ein Beispiel an meiner neuen Familie nehmen. Dort bedeutet Kontakt auch Verpflichtung für die Herzen der anderen und das Versprechen, Menschen, die man mag, nicht absichtlich zu verletzen.

Nächstes Jahr komme ich wieder, denn ich habe jetzt eine zweite Familie, weit weg, am Fuße des Himalaya!

 


Duftender Flieder, Prosecco und Vanilleeis mit heißen Himbeeren

Der vorletzte Abend vor meiner Reise. Der Flieder blüht im Hinterhof und schickt überschwängliche Duftgrüße zu mir herauf; von meinem Balkon aus kann ich in dem frühlingsgrünen Wipfel eines kleinen Baumes ein frisch gebautes Vogelnest sehen. Ein Elsterpärchen hat in den letzten Wochen fleißig gearbeitet und wird wohl bald das neue Heim beziehen, um zu brüten. Eine kleine Blaumeise wagt sich immer wieder auf mein Bakongeländer und linst mich aus sicherer Entfernung mit schwarzen Knopfäuglein an. Heute Abend werde ich mit einer Freundin genau hier ein letztes Mal gemeinsam den fast schon sommerlichen Himmel über München genießen, eine Flasche Prosecco köpfen und Vanilleeis mit heißen Himbeeren schlabbern. Die nächsten Dächer, die ich dann von oben sehen werde, werden die von Kathmandu sein. Dann werde ich auf der Dachterrasse meines Hotels sitzen, dem ewigen Hupkonzert auf den Straßen dieser quirligen Stadt lauschen und Chai trinken. Heute habe ich erfahren, dass der junge buddhistische Lehrer, dessen Kloster ich unbedingt nördlich von Kathmandu aufsuchen will, professionelle Autoren, bzw. “Schreiberlinge” sucht, die ihm helfen, seine Lehren niederzuschreiben und das bisher geschriebene in Form zu bringen. Na, wenn das kein Wink des Schicksals ist!!! Juchu, ich komme! Mein Englisch ist zwar nicht das allerbeste  . . . seins aber auch nicht ;) Aber wir werden das Kind schon schaukeln, wenn er mich denn haben will. Meine Bewerbungs-Email ans Kloster ging eben raus. So, und jetzt muss ich die Himbeeren heiß machen. Ihr entschuldigt mich, meine Lieben. Bis bald, Eure Herzensschreiberin vom Dienst!


Sie packt . . . und wird nostalgisch. KINDERGLÜCK!

Hui, Leute, der Tag meiner Abreise nach Nepal rückt näher. Mein Gästezimmer gleicht einem Schlachtfeld. Dort habe ich schon vor Tagen meine große Reisetasche deponiert, umgeben von all den Dingen, die ich mitnehmen will. Allen voran die vielen Geschenke für die Kinder im Waisenhaus. Blonde, braune, schwarze und sogar weiße Bärte für die Jungs. Man kann sie ins Gesicht kleben. Dazu Wasserpistolen und kleine Styroporflieger zum zusammenbauen, letztere von meiner Schwester. Wir beide haben diese Dinger als Kinder geliebt. Man kann sie heute noch im Schreibwarenladen kaufen und schwupps zusammenstecken. Wir ließen unsere Flieger immer auf der Almwiese unterhalb der Hütte in den Bergen, wo wir oft die Ferien verbracht haben, fliegen. Unsere Eltern saßen mit ihren Freunden entspannt vor der Hütte, schürten das Feuer fürs abendliche Grillen, tranken kühles Radler und schauten uns zu. Genau wie die Kühe, die mit bimmelnden Glocken und in sicherem Anstand aus großen Augen zu uns herüber glotzten. Eine wunderbare Kindheitserinnerung – und was für ein Spaß, wenn eine von uns beim Nachjagen ihres Fliegers nicht Acht gab und in einen Kuhfladen stolperte. Der Geruch des Sommers vermischte sich mit dem Harzduft des nahen Waldes und mit dem würzigen Rauch vom Grill auf der Terrasse. Mücken surrten um uns herum uns zerstachen uns die nackten Beine. Das Lachen der Eltern vermischte sich mit dem Gezwitscher der Vögel in den Wipfeln der Tannen. Hoch oben am blauen Fimament zogen Flugzeuge ihre weißen Bahnen. KINDERGLÜCK!

Heute habe ich im Gartensalon erfahren, dass es in Kathmandu Unmengen von Straßenkindern gibt. Sie leben alleine oder in Banden, ihre Gesichter sind vorzeitig gealtert und dreckig. Sie schnüffeln Kleber aus Tüten, um zu vergessen. Manche von ihnen sind erst vier Jahre alt. Sie schlafen auf den Bürgersteigen, in Hauseingängen, unter Brücken. Sie drücken sich die Nasen an den Scheiben der Bäckereien platt und halten ihre verdreckten Hände den Touristen entgegen. Ihre Augen haben längst den unschuldigen Glanz der Kindheit verloren. Mein kleiner Suresh ist eines dieser Kinder gewesen. Nun lebt er im Waisenhaus, beschützt und liebevoll umsorgt. Ich stelle mir jetzt schon vor, wie er sich einen der Flieger schnappen wird, ihn zusammenbaut und vor der Kulisse des Himalaya jauchzend starten lässt. KINDERGLÜCK!

P.s.: An die Mädchen habe ich natürlich auch gedacht! Glitzernagellack, Buntstifte, Klipps und Bänder fürs Haar, Bilderbücher und Wachsmalkreiden.


Raus aus Facebook – rein ins Leben ;0)

Ihr Lieben, nach drei Wochen Schweige-Meditaions-Seminar melde ich mich bei Euch zurück. So viel ist passiert in den letzten Wochen und Monaten, beginnend mit dem Tod von Rosi. Für mich ein Warnschuss, dass dieses zerbrechliche, fragile Leben sehr sehr schnell zu Ende gehen kann. Umso wichtiger ist es, Prioritäten zu setzen, egal wie alt man ist – oder?! Dieses kostbare Leben mit Sinn zu füllen, das hab ich mir nun nach diesen Wochen des intensiven Schweigens ganz oben auf die Fahnen geschrieben. Und dazu gehört auch, die virtuelle Welt weitgehendst zu verlassen und in die sogenannte Realität – was immer das auch sein mag – einzutauchen. Ich verlasse also die bunte Welt des Facebook, einige von Euch kennen mich von dort, und schau, was die noch viel buntere Welt dieses Planeten für mich noch so alles bereit hält. Als alte Herzensschreiberin bleibt aber allen, die wissen wollen, wie es mit mir, meiner Kocherei und mit den Büchern, die ich weiterhin schreiben werde, weiter geht, dieser Blog erhalten, der nun von mir viel intensiver gepflegt werden kann. Als erstes werde ich, wenn mein operiertes Knie geheilt ist (Ich lag vor vier Tagen unter dem Messer), Ende April nach Nepal fliegen, um meinen Patensohn Suresh kennenzulernen. Ich werde eine Zeit lang in dem Waisenhaus, in dem er lebt, arbeiten und mit den Kindern spielen und Quatsch machen. Ich wünsche mir, dass Suresh und ich Freunde werden und dass ich ihm eine Mama der ganz besonderen Art werden kann. Falls also alles gut geht mit uns beiden und den Menschen dort in Kathmandu, dann werde ich vielleicht nächstes Jahr für eine ganz lange Weile in das Land mit den hohen Bergen verschwinden, um dort meine Bücher zu schreiben – Manuskripte gibt man ja heutzutage eh grundsätzlich via email ab -, um mit Suresh und seinen Freunden Zeit zu verbringen und um mir einen buddhistischen Lehrer zu suchen, mit dessen Hilfe ich meine Praxis vertiefen kann. Es bleibt also spannend. Bitte bleibt mir gewogen, denn es ist wunderbar, überall auf der Welt Freunde zu haben. Ein Gruß von mir und von dem großen Dichter Hafiz, mit dem Versprechen, mich bald wieder von dieser Stelle zu melden:

“Liebe Welt,

ich bin entschlossen,

eine Sache nicht bedauern zu müssen,

wenn ich auf dem Sterbebett liege:

Dass ich dich nicht genug geküsst habe!”    (Hafiz)

In diesem Sinne, Eure HvD, Herzensschreiberin und Herzensköchin vom Dienst


Die Schläger und das kranke Herz

Gestern war eine liebe Freundin bei mir zuhause zu Besuch – mit ihrem neugeborenen Sohn, etwas mehr als vier Wochen alt. Ich war Mitte Januar, zwei Tage nach der Geburt des Kleinen, bei den beiden in der Klinik gewesen. Ein zauberhafter Moment damals, leider etwas getrübt von dem schlimmen Erlebins ihres Mannes, der in der Nacht vor der Geburt seines Sohnes in der U-Bahn Station von ein paar Typen grundlos zusammengeschlagen worden war. Und so nahm der Vater etwas lädiert aber trotzdem voller Stolz seinen Sohn in die Arme. Da die Nase gebrochen war riet man ihm eine Weile später zu einem Routineeingriff, damit die Knochen wohl nicht wieder falsch zusammen wachsen würden.

Am Tag der Nasen-OP hatte dann im OP-Saal zufällig ein Herzspezialist Dienst; er überwachte das EKG während der OP. Eigentlich nicht sein Job, aber warum auch immer – vermutlich wegen Personalmangels -, er saß an diesem Gerät. Da fiel ihm plötzlich auf, dass ein winziger Ausschlag der Linie, die den Herzschlag anzeigte immer wieder von der Norm abwich. Eigentlich nicht gleich ein Grund zur Sorge, doch der Arzt war trotzdem alamiert. Als der junge Mann aus der Narkose aufwachte, riet ihm der Spezialist zu einigen Herzuntersuchungen. Das Fazit: Der frisch gebackene Papa litt an einer vernarbten Herzklappe infolge einer nicht erkannten Infektion, die schon einige Zeit zurück liegen musste, denn das Herz hatte sich bereits vergrößert, um diesem Defekt entgegenzuwirken. Wäre dies nicht erkannt worden, hätte er keine zwei Jahre mehr zu leben gehabt.

Vorgestern ist er am Herzen operiert worden, alles ist gut gegangen. Die Angehörigen möchten den Schlägern aus der U-Bahn nun gerne eine Dankeskarte schicken, doch die sind damals natürlich feige abgehauen ohne ihre Adresse zu hinterlassen. Aber hätten diese jungen Kerle den Mann meiner Freundin nicht zusammen geschlagen, dann hätte er seine Nase nicht operieren lassen müssen . . . und der kleine Junge hätte vielleicht vorzeitig seinen Papa verloren. Nicht auszudenken.

This is how life goes . . . it’s a miracle! Und Schutzengel hauen einem anscheinend auch zuweilen feste auf die Nase oder sitzen wegen Personalmangels plötzlich da wo sie nicht hingehören! ;)


Für Rosi

Liebe Rosi,

heute, am 14.2., am Valentinstag, hast Du Geburtstag – Du hast Ihn nicht mehr erlebt. Gestern, am 13.2. ist Dein Herz stehen geblieben!

Eigentlich habe ich Dich gar nicht gut gekannt. Du bist die Mama meiner “kleinen” Lieblingscousine Sofia und hast vor Jahren eingeheiratet in den Seethaler-Clan. In der Familie erzählt man sich, dass Du und Luggi, der jüngste Bruder meines Vaters, Euch sehr mochtet und dass Ihr eine gute Ehe hattet. Ich hab von all dem – weit weg in München – nicht viel mitbekommen. Vor 5 Jahren ist der Luggi gestorben, auch so verdammt jung wie Du jetzt. Mitte 50, das ist doch kein Alter, sagen die Alten. Sie haben recht!

Damals habe ich Dich am offenen Grab Deines Mannes wiedergesehen. Du hielst Deine schluchzende Tochter in den Armen und warst selbst ganz erstarrt. Die Sonne schien an diesem Dezembertag und der Schnee glitzerte zwischen den Kränzen und am Rande des gähnenden Lochs. Du standst da, aufrecht und würdevoll, eine junge Witwe.

Dann verlor ich Dich wieder aus den Augen. Aber Sofia und ich kamen uns näher. Und obwohl zwischen uns beiden eine Altersunterschied von 20 Jahren liegt, überbrückten wir zwei Cousinen dieses Gefälle mühelos und wurden plötzlich Freundinnen. Ich glaube, Dich hat das gefreut. Vor fast genau einem Jahr sahen wir uns dann im Rahmen eines Familienfests wieder. Omas 94. Geburtstag, eine fröhliche Kaffeerunde rund um den Tisch der Großmutter. Zu meiner Linken saß Sofia und rechts neben mir auf der Eckbank bist Du gesessen. Du hast gesagt, dass es schön wäre, wenn wir uns mal zum Ratschen treffen könnten. Du hattest immer so eine warme, für meine Ohren etwas tiefere Stimme. Irgendwann nahm Sofia dann meine Hand in die ihre und Du hast uns überrascht angeschaut.  Ich werde diesen Blick nie vergessen . . . ganz lange hast Du mir in die Augen geschaut: Ich sah darin Freude und irgendwie so ein tiefes Verstehen, das ich bis gestern nicht deuten konnte. Seit gestern gilt dieser stumme Austausch für mich als Versprechen, mich immer um Sofia zu kümmern und für sie da zu sein – und vielleicht hast Du damals intuitiv schon gewusst, dass dieses Versprechen an Omas Geburtstag besiegelt wurde. Rosi, Deiner Sofia wird es an nichts mangeln, was man mit Liebe und Zuneigung abdecken kann! Das haben Dir auch Deine Schwestern am Sterbebett versprochen.

Mitte Dezember dann Sofias Hilfeschrei via Mail: Susi, die Mama ist krank, ich steh das nicht noch einmal durch. Erst Papa, jetzt sie!!! Rosi wieso bist Du erst so spät zum Arzt gegangen? Man erzählt sich, dass Du schon so lange Bauchweh hattest. Du bist dann sehr schnell operiert worden; der Krebs hatte schon gestreut. Doch Du warst zuversichtlich. Meine Schwester Michi traf Dich auf dem Hof, Du freutest Dich darauf, dem Übeltäter mittels Chemo die Stirn zu bieten. Hoffnung keimte bei allen auf. Auf dem Foto zu Weihnachten sitzt Du, frisch operiert aber mit lachendem Gesicht, inmitten Deiner Familie und strahlst in die Kamera.

Dann der Schock nach Silverster. Man fand Dich viel zu spät in Deiner Wohnung, Du hattest einen Gehirnschlag erlitten, das Sprachzentrum war zerstört, die rechte Körperhälfte gelähmt, an Chemo war nun erst mal nicht zu denken. In diesem Zustand traf ich dich wieder: Der Sprache beraubt, aber ruhig und würdevoll. Anders kann ich es nicht ausdrücken. Es ist überhaupt diese Würde, die mich in den letzten Tagen so an Dir imponiert hat. Aber ich greife vor.

In der Anfangszeit im Krankenhaus warst Du noch voll die Rosi, die wir kannten. Du konntest zwar nicht mehr sprechen, aber Du hast gelacht, viel gelacht. Als ich in Dein Zimmer kam, hast Du mich zwar nicht mehr erkannt – ich sah kein erkennendes Aufflackern mehr in Deinen Augen – aber irgendwie hab ich das dann vergessen, als ich an Deinem Bett saß und Du zum ersten Mal lachtest. Wir haben Dir ein Foto gezeigt von der Hütte – Du lachend im Schlafanzug in der Küche, Du sahst so süß aus!! Du hast die Berge sehr geliebt, bist oft auf die Hütte, hast überhaupt viele Bergtouren gemacht und bist sogar mit dem Radl über die Alpen gefahren. Dein Körper blieb bis zum Schluß wunderschön und durchtrainiert.

Es begann nun eine Zeit des Hoffens, man sprach von Reha und von einer Wiederaufnahme des Kampfs gegen den Krebs. Auch das Sprechen solltest Du wieder lernen. Du hast sogar ein paar Worte gesprochen: “Aussi”, also “raus”, war Dein erstes. Ein Kind der Berge, das wieder in die Natur will, so haben wir das gedeutet.

Unser ganzes Leben lang haben wir beide uns nie wirklich berührt Rosi, höchstens mal eine Umarmung, wenn wir uns zufällig trafen, und nun saß ich an Deinem Bett und streichelte Dir den gesunden Fuß, der der nicht gelähmt war, und staunte über seine weiche Haut. Ich küsste Dich nach meinem Besuch auf die Stirn und war erstaunt darüber, wieviel Intimität so eine schwere Krankheit plötzlich zulässt.

Zu Omas 95. Geburtstag warst Du nicht mehr dabei.

Dann ging alles Schlag auf Schlag, im wahrsten Sinne des Wortes. Du hattest weitere sieben oder acht Gehirnschläge und es war plötzlich mehr als deutlich, dass es tatsächlich aufs Sterben hinaus ging. In den Tiefen unserer Herzen war uns das allen wohl schon lange klar. Ich glaube, Dir am allermeisten. Menschen, mit denen Du sonst immer nur ein paar Worte gewechselt hattest, saßen nun regelmäßig an Deinem Bett, um Dich zu füttern und Dir beizustehen. Allen voran natürlich Deine Schwestern, Deine Tochter und überhaupt “Dein” Teil der Familie. Aber auch meine Schwester wuchs über sich selbst hinaus und besuchte Dich jeden Tag. Sie rief mich jeden Abend in München an und hielt mich auch dem Laufenden. Sie erzählte mir von den Krämpfen, die Dich schüttelten und von ihrer Angst, dass Du schreckliche Schmerzen leiden müsstest.

Diese Woche hatte auch ich wieder einen Besuch geplant, wer hätte gedacht, dass es der Abschiedsbesuch sein würde. Am Abend vorher rief  Michi an, es ginge zu Ende, das Krankenhaus habe angerufen. Du würdest noch in dieser Nacht sterben. Es war 22 Uhr. Alle versammelten sich um Dein Bett, hielten Nachtwache, blieben bei Dir. Auch ich blieb lange wach in dieser  Nacht und wartete auf einen weiteren Anruf. Am nächsten Tag warst Du noch am Leben. Ich durfte nun auch zu Dir kommen.

Als ich das Krankenzimmer betrat war es voller Menschen. Und trotzdem herrschte eine feierliche Stimmung. Du lagst erhöht, Dein Gesicht war schon vom nahen Tod gezeichnet. Aber ich fand Dich wunderschön. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich schon auch Angst, Dir so zu begegnen, aber Du hast es mir sehr leicht gemacht. Du warst ganz heiß, Dein Haar so dunkel, vielleicht vom Schweiß, und von einer Freundin nochmal geschnitten. Deine Augen waren offen, sie rollten hin und her. Ich konnte nicht anders, ich musste Deine Stirn küssen. Dein Atem ging immer wieder schwer – und setzte manchmal für eine Zeit lang aus. Deine Brustkorb wölbte sich so eigenartig. Du lagst ganz still da inmitten Deiner Lieben. Ich hab mit Dir geatmet. Es war so eigenartig, ich musste immerzu lächeln. Ich hab in Dein Gesicht geblickt und konnte hinter der Maske des Sterbens schon das Licht sehen. Einmal hast Du Dich verschluckt und Deine Schwester Edeltraud hat Dich unendlich zart nach oben gehoben, damit Du mehr Luft bekommst. Das war die zärtlichste Geste, Dich ich je gesehen habe. Du hattest solch ein Glück, denn um Dich rum waren nur liebevolle Menschen.

Auch wenn alle sagen, dass Du bereits “weg” warst, Du hast mich mit einem Auge immer wieder fixiert und ich bin in diesen Blick hinein gefallen. In diese Unendlichkeit hinein habe ich mein Verprechen nochmal erneuert, dass ich für Dein Kind, für meine Freundin und Cousine, da sein werde – genau wie die anderen auch alle.

Gegen Nachmittag sind wir “Jungen” dann nachhause gefahren, um am Abend nochmal wieder zu kommen. Deine beiden Schwestern wichen nicht von Deiner Seite. Um 18 Uhr lösten wir die zwei ab. Nun saßen Sofia, Quirin, Michi und ich nochmal um Dein Bett herum. Dein Zustand hatte sich laut Schwester nicht verändert, aber Michi und ich bemerkten, dass Dein Gesicht anders aussah. Du lagst immer noch ganz still, die Augen geöffnet. Du hattest den ganzen Tag nicht gezwinkert und nun waren sie etwas rot und sahen wund aus. Als Michi Deine Wange streichelte rollten Deine Augen in ihre Richtung. Deine Hände waren ganz heiß und so unendlich zart.

An diesem Abend verabschiedeten wir uns von Dir für immer – Michi und ich sollten Dich nicht wieder lebend sehen. Es berührte mich unendlich, als Michi ganz zart Dein Gesicht küsste und “Schlaf gut, Rosi” zu Dir sagte. Die Nacht über bliebst Du alleine. “Manchmal gehen Menschen leichter, wenn Ihre Angehörigen nicht dabei sind,” sagten die Ärzte. Du bist noch ein bisschen da geblieben.

Gestern gegen 17 Uhr bist Du gestorben. Deine beiden Schwestern, Tine und Edeltraud, waren bei Dir. Du hast einfach ein letztes Mal ausgeatmet und bist gegangen.

Liebe Rosi, ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, aber ich finde, dass Du mit großer Würde und Schönheit diese Erde verlassen hast. Für mich war es ein ausserordentliches Geschenk, Dir nochmal so nah sein zu dürfen. DANKE! Und sag dem Luggi einen schönen Gruß!!!

 

 

 


Nonna Scarpi

Als ich ein kleines Mädchen war bin ich mit meinen Eltern und meiner jüngeren Schwester Michi jedes Jahr nach Italien in den Urlaub gefahren. Wir fuhren zu einer Art Bauernhof in der Nähe von Rimini; mit von der Partie war noch eine befreundete Familie mit ihren Kindern im gleichen Alter wie wir, Thomas und Christine. Wir alle liebten diese beiden Wochen im Jahr! Immer wenn wir auf den sandigen Hof fuhren, die Autos bepackt bis unter die Dächer, stand schon die kleine Nonna Scarpi, wie wir sie nannten, vor der Türe und erwartete uns. Für mich war und blieb die Nonna all die Jahre über gleich “alt”, mit ihren blitzenden Augen und den sehnigen, abgearbeiteten Händen. Der Hof lag nicht weit vom Meer entfernt, ein Pinienhain und ein paar Erbsen- und Tomatenfelder trennten ihn vom herrlich weißen Strand und dem glitzernden blauen Meer. Thomas und ich gingen in den kleinen Gräben zwischen den Feldern auf Kaulquappenjagd und meine kleine Schwester und Christine trugen oft den ganzen Tag lang ihre kleinen Küken, die die Nonna ihnen geschenkt hatte, in ihren Armen umher. Nonna Scarpi zeigte uns, wie man die süßen Erbsen aus den Schoten pulte und schaute uns lachend dabei zu, wie wir unsere Froschzucht im kleinen Planschbecken zwischen den Weinreben hegten und pflegten. Mittags kochte meine Mama im Wechsel mit der Mami von Thomas und Christine Nudeln mit Tomatensoße und abends durften wir mit den Erwachsenen essen gehen: Pizza, Schnitzel (!) und zum Nachtisch natürlich Eis.

Heute habe ich erfahren, dass Thomas und Christines Eltern bei einem Busunglück auf Mallorca ums Leben gekommen sind, und ich weiß nicht, was ich zu solch einer Tragödie sagen soll. Ich kann nur durch diese gemeinsamen Erinnerungen an die unbeschwerten Tage in Italien damals ein bisschen ihrer gedenken – und vielleicht wartet jetzt ja auch die süße, kleine Nonna dort oben auf Euch. R.I.P Peter und Irene!


Der Herzensköchin-Jahresrückblick

Nun neigt sich auch dieses Jahr wieder dem Ende entgegen – ein sehr lebendiges Jahr, keine Frage! Das dürfte bei vielen von Euch ähnlich gewesen sein, oder? Rein kochtechnisch gesehen war das Highlight des Jahres mein Backmarathon in diesem Sommer. Während alle anderen an den Ufern der bayerischen Seen ihre Astralkörper der Sonne darboten und sich immer wieder in die kühlen Fluten stürtzen konnten, kämpfte ich mich durch die vielschichtigen Lagen meiner ersten Prinzregententorte ever, versuchte viel zu warm gewordenen Mürbteig in den Griff zu bekommen (bei gefühlten 100 Grad in der Küche), um Weihnachtsplätzchen zu backen, im August wohlgemerkt (!), und backte zu einer Zeit Christstollen, wo alle anderen nach Speiseeis und einem kühlen Bier unter schattigen Kastanien lechzten. Zu guter Letzt hatte ich endlich 77 Rezepte unter Dach und Fach und so wird im Herbst 2015 mein bisher”süßestes Werk” das Licht der Welt erblicken, das da heißt “Bairisch Süß – Sweet Bavarian Treats” – ein zweisprachiges Buch für alle Bayern und für die, die es noch werden möchten. Im Moment ist es gerade bei der Übersetzerin, by the way.

Ein anderes absolutes Highlight war natürlich der Dreh zu den LEBENSLINIEN – die Herzensköchin als Moviestar, das war der Hammer. Genau wie die Resonanz auf den Film, der am 2. September ausgestrahlt wurde (Ihr könnt ihn immer noch auf meiner Startseite der Hompage anklicken und ansehen). Mit einigen dieser wunderbaren Menschen, die mir damals geschrieben haben, bin ich heute noch in Kontakt.

Und last but not least: Eine alte Freundschaft ging zu Bruch und neue Freundschaften bildeten sich. Alte Rezepte wurden verworfen, um neuen Platz zu machen. Ich reiste mehrmals durch die Republik: von Osten nach Westen und vom Süden in den Norden, um Freunde zu besuchen, zu arbeiten und um mich inspirieren zu lassen. Ich machte mit Äd Scheibbs unsicher und bekochte auch im Alleingang so manches Seminar. Und . . . ich schreibe immer noch. In den kommenden beiden Jahren werde ich den Buchmarkt weiterhin mit meinen Werken beehren. Ich hoffe, Ihr bleibt mir auch als Leser treu ;)

Nun wünsche ich Euch allen ein genußreiches und friedvolles, ein zufriedenes und ein sehr glückliches Neues Jahr, Eure Herzensköchin vom Dienst


Der Geschäftsmann und die Zugfahrkarten

Auf Facebook habe ich letztens versprochen, dass ich eine unglaubliche “Helfer-Geschichte”, die mir einst widerfahren ist, erzählen will. Es ist zwar keine “Kochgeschichte”, aber trotzdem herzzerreissend, finde ich.

Als ich eine junge Frau war, genau genommen 20 Jahre alt, machte ich mich auf meine erste große Reise; ich fuhr ganz alleine nach Südostasien und verbrachte dort drei Monate. Ich wurde unendlich oft von Heimweh geplagt und mehrmals war ich nahe dran, nachhause zu fliegen. Doch irgendwann lernte ich auf einer thailänsichen Insel ein kleine Engländerin kennen – sie war wirklich winzig, hatte dafür ein umso größeres Herz -, Sue, dich mich fragte, ob wir gemeinsam weiter reisen würden. Von dem Zeitpunkt an war ich nicht mehr einsam und wir reisten zusammen bis hinunter nach Bali. Auf unserer Rückreise nach Bangkok, mittlerweile waren Wochen vergangen und wir hatten eine wunderbare Zeit miteinander verbracht, machten wir in Kuala Lumpur Halt. Die Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt mit dem Bus war abenteuerlich und anstrengend – und letztendlich landeten wir vollkommen orientierungslos auf einer von Blechlawinen umbrandeten Verkehrsinsel und wussten nicht mehr weiter. Um uns toste dermaßen der Berufsverkehr, dass wir uns fürchteten, die Straße zu überqueren. Zudem wussten wir nicht, wo wir waren, wollten wir doch nach Chinatown, um uns dort eine billige Unterkunft zu suchen. Wir waren müde und irgendwie verzweifelt. Da hielt plötzlich ein schwarzes Auto am Bordstein. Ein freundlicher Herr in Nadelstreifen fragte uns, ob er uns mitnehmen könne. Wir waren natürlich sehr skeptisch: Fremder Mann, fremdes Land, fremdes Auto. Aber wir waren so erschöpft, dass wir einstiegen. Die Klimaanlage summte, der freundliche Herr blieb weiterhin freundlich und wir steckten gemeinsam im Megastau. Wir erzählten ihm, dass wir nur auf der Durchreise seien und übermorgen mit dem Zug weiter wollten. Und dass wir noch keine Unterkunft hätten. Der arme Mann hatte einen langen Geschäftstag hinter uns, aber das schier Unglaubliche passierte: Er fuhr zum Bahnhof – was Stunden brauchte, bei dem Höllenverkehr – und kaufte, bzw. schenkte uns zwei Zugtickets, dann fuhr er weiter nach Chinatown, suchte ein kleines Guesthouse für uns aus und verhandelte mit der Besitzerin einen fairen Preis . . . den er letztendlich auch  aus seiner Tasche bezahlte. Dann stieg er in sein Auto, wir waren sprachlos und stammelten unzusammenhängende Sätze des Dankes. Er ließ die Scheibe runter und sagte: “Wenn Ihr eines Tages in Eurer Heimatstadt einen hilflosen Asiaten seht, der nicht mehr weiter weiß, dann denkt an mich und helft ihm!”


Strammes Huhn

Vor einiger Zeit hat unsere Chefin Ines ein neues Gericht erfunden, das STRAMME HUHN. Es ist einfach perfekt, kann ich Euch sagen. Ich liebe es, es zuzubereiten und empfehle es jedem, der an unsere Theke zum Bestellen kommt. Und ich liebe die strahlenden Augen jener, die unser Huhn schon kennen und es in genießerischer Vorfreude bei uns in Auftrag geben. Stramme Hühner könnte ich bis an mein Lebensende machen, ich werde nie gelangweilt davon. Wie alles GUTE und LECKERE auf dieser Welt, besticht auch das Stramme Huhn durch seine Einfachheit: Auf eine Scheibe Bauernbrot kommt in dicker Schicht ein vegetarischer Austrich, natürlich selbst gemacht. Wobei, ich kann mir das Ding auch gut mit Leberwurst vorstellen, aber das ist eine andere kulinarische Geschichte. Freilich geht das Huhn auch mit veganem Aufstrich, da schmeckt sogar besonders lecker. Nun, weiter im Text: Auf dieses Brot kommt nun ein Rührei aus zwei Eiern (verquirlt mit einem Schuss Sahne, etwas Schnittlauch, Salz und Pfeffer, eh klar!), dann folgen zwei Scheiben Tomaten und den krönenden Abschluss bilden viel Pfeffer aus der Mühle und nochmal ne Ladung Schnittlauchröllchen – AAAAAAHHHH, MMMMMMHHHH, OHHHHHHH, ein Gedicht.

Als also heute die erste Huhn-Bestellung  in unserer zum Laden hin offenen Küche eintrudelte, freute ich mich wie immer wie ein Schnitzel und legte los. Und plötzlich fragte mich Suzi, meine liebste Mitköchin, ob ich denn schon mal eins gegessen hätte, ein Strammes Huhn. Hab ich nicht!!!!! Ist das nicht unglaublich??? Für Suzi war sofort klar, ohne Huhn im Bauch würde ich heute den Laden nicht verlassen – von ihr eigenhändig zubereitet. Ich durfte mir den Aufstrich wünschen und selbst das Rührei wurde noch mit Chili gepimpt. Ich liebe das. Und wisst Ihr, was am aller aller besten schmeckt? Ein STRAMMES HUHN von einem Menschen zubereitet, den einen mag und der Freude daran hat, dem anderen etwas gutes zu tun. Besser gehts nicht! Mille Grazie, liebe Mitköchin :)


Frau Trost

Liebe Blogleser und -leserinnen, ich war nachlässig die letzten Monate, ich weiß. Shame on me! Ich könnte es jetzt auf die große Hitze schieben, die uns hier in der Stadt – und nicht nur dort – plagt. Habt ihr schon mal bei 40 Grad draußen und gefühlten 400 Grad drinnen (also am Herd) Rühreier gebraten? Ich kann Euch sagen, das ist ächt (Hi Äd!) der Hammer. Aber wir Salonmädels sind ja hart im nehmen und lassen uns nicht von der Bullenhitze die gute Laune verderben. Ich weiß noch, wie ich im Juni mit Äd (ja, genau dem!) nach Scheibbs gefahren bin zu unserem jährlichen Zen-Kochkurs. Da war die Autobahn via Salzburg wegen Überschwemmung gesperrt und wir mussten über Passau zuckeln – und jetzt verglühen wir bei lebendigem Leib. Äd saß damals im Auto und bestaunte die reißende Donau während er ein zwei Wochen alten Sandwich genüsslich verspeiste. Ich hab Euch ja schon mal erzählt, dass ein Zenkoch nichts, aber auch wirklich gar nichts wegschmeißt. Bei seiner Ankunft in der Tschechei, seinem ersten Ziel auf seiner diesjährigen Europatour, hatte ihm seine Gastgeberin eben genau dieses Sandwich überreicht. Der Arme hatte doch sicher Hunger nach so einem langen Flug, dachte sie. Hatte er nicht. Also verstaute er das Brot mit Käse in seinem Handgepäck und nahm es überall mit hin, bis er bei mir 14 Tage später  in München aufschlug. Als es dann – nach einem feuchtfröhlichen Abend – daran ging, nach Scheibbs los zu düsen, hielt er mir freudestrahlend etwas graues, entsetzlich stinkendes Etwas unter die Nase: das Sandwich. “Ich hab da was für die Fahrt!”, sagte er (natürlich auf Englisch), und dann nahm er eine Pfanne, erhitze Butter darin und briet das Ding von beiden Seiten goldbraun an. Noch warm in eine Plastiktüte verpackt (IGITT) und schon konnte es los gehen – mitsamt Proviant. Leider musste ich einmal beißen, er bestand darauf. Es schmeckte unglaublich sch…. und ich hatte die ganze weitere Fahrt über so einen seltsamen Film am Gaumen, der nach Verwesung schmeckte und irgendwie metallisch war. Gott sei Dank wurden wir nicht krank davon.

Jetzt aber zu Frau Trost, der ich heute im Hofpister (einer tollen Münchner Bäckerei, deren Filialen sich über die ganze Sadt erstrecken) begegnete. Ich musste Brot holen gehen, denn ich hatte als einzige im Salon grad nix zu tun. Der Nudelsalat (in einer riesen Wanne verstaut) war fertig.  Bei der Hitze kann man fast nur kalte Küche anbieten, und die ersten Frühstücksgäste waren noch nicht da. Also dackelte ich los, mit dem Gefühl, niemals wieder einem Backofen entrinnen zu können. Schon um kurz nach Neun wars Knalleheiß in Schwabing.  Und als ich die Türe zu Bäckerei aufstieß, da flirrte die Luft im Laden fast und die arme Fra Trost stand mit knallrot gefärbten Haaren und einer ebensolchen Gesichtsfarbe schwitzend hinter dem Tresen, wie ein riesiges Steichholz kurz vor dem Entflammen. Im Hintergrund buken gerade die Brezen fertig und Frau Trost (ich erfuhr den Namen von ihrem kleinen Schildchen an der Brust) schaute mich an, als könne sie bei mir Trost finden. Ich wollte schon los schwadronieren, was für einen schönen Namen sie habe, weil doch der Duft von gebackenen Brot so viel Trost spenden kann, doch als ich anhob und Luft holte, da sah ich in ihren Augen, dass jedes romantische Dahergeschwafel vollkommen Fehl am Platze  sein würde. Frau Trost wollte nur noch weg – vielleicht um Trost in den Fluten der kalten Isar zu finden, oder an einem schattigen Plätzchen mit einem Eiskaffee vor der Nase, oder . . . ach was weiß ich! Kann mal jemand da oben den Backofen ausschalten! Wir sind schon durch!!!!


Breathing in . . .

Breathing in I know that I am breathing in . . . Breathing out I am happy! Äd, mein Zenmeister ist finally angekommen und jetzt weht ein anderer Wind durch meine vier Wände – möchte man meinen. Schließlich ist so ein Zenlehrer doch Garant für meditative Stille und Achtsamkeit, oder? Stimmt! Aber das schöne an Äd ist, dass er das ganze heilige Gesülze längst hinter sich gelassen hat – und eben genau dann achtsam ist, wann er will. Nun nicht ganz, man merkt schon eine gewisse Präsenz, die anderen Menschen fehlt. Keine Frage, er ist ein Mensch, der sich sehr tief und ausführlich mit sich selbst auseinander gesetzt hat, aber . . . er ist dabei immer, und in erster Linie, Mensch geblieben. Und was für einer! Kein einfacher mitunter, so viel steht schon mal fest – aber wer von uns ist schon einfach gestrickt? Aber ein feinfühliger allemal. Und einer, der das Leben genießt. Also haben wir gestern zusammen Atemmeditation praktiziert. Nun, er hat den Rotwein geöffnet und ihn 20 Minuten atmen lassen . . . während er wieder an seinen Computer ging, um Kreuzworträtsel zu lösen und ich das Abendessen – Semmelknödel mit Schwammerlsoße und Gurkensalat – vorbereitete. Und heute Morgen zog dann der Duft von Rührei mit Salami (!) durch meine Wohnung – ein Zenmeister und Fleisch, tstststs, das geht ja gar nicht, oder? Eben hat er sich noch mal für ein Nickerchen zurück gezogen, schließlich können wir den Tag auch langsam angehen, wo es draußen so dermaßen schüttet, dass man meine könnte, die Welt ertrinkt. Oder vielleicht liegt doch das Frühstück zu schwer im Magen – I don’t know, und ich werde mich hüten, ihn zu fragen, schließlich hat er es vom ersten Bissen an genossen! Bis bald Eure Herzensköchin vom Dienst :)


Advent . . . im Mai

Heute backe ich Weihnachtsplätzchen – ächt (Hi, Äd), ohne Scheiß! Das Wetter ist miserabel, kalt und regnerisch, in den Bergen hat es auf 800 Meter runter geschneit. Also, was gibt es gemütlicheres, als den Duft von Haselnuss und Zimt? Wer meinen Blog verfolgt, der weiß natürlich, dass ich gerade für ein neues Buchprojekt arbeite, bzw. backe – und das ist natürlich der eigentliche Grund, warum es bei mir seit heute Morgen schon so verführerisch nach buttrigem Teig und heißer Schokolade duftet. Nicht die Kälte draußen.

Apropos ÄD! Der kommt übrigens morgen wieder zu mir nach München. Schon wieder ist ein Jahr vergangen, und es ist Zeit, dass wir beide wieder den Kochlöffel in Scheibbs/Österreich schwingen. Wir werden uns am Montag gemeinsam mit dem Auto aufmachen – mit im Gepäck, Kochlöffel, Schneidebretter, eine Ladung Spezialmesser von Äd, die er über den großen Teich geschafft hat, ohne am Flughafen festgenommen zu werden, und meine bunten Küchenschürzen -, um ab Dienstag Abend 23 Kursteilnehmer zu beglücken. Die Hauptarbeit, nämlich das Leiten des Kurses, hat natürlich der Meister, aber ich werde wieder im Hintergrund mitwursteln, ihm den Rücken frei halten, mit ihm gemeinsam morgens verschlafen in der Küche eine erste Tasse Espresso trinken und den Tag besprechen. Den Kaffee bringt er extra immer von Kalifornien mit, denn er findet, dass es dort den besten gibt! Dabei ist Italien doch so nah! Ok, ich sag nix . . . ! Und wir werden wieder ein bisschen Hokuspokus verbreiten: Ein paar Stunden vor Ankunft der Gäste schreiten Äd und ich – er in Vollmontur, sprich in Zenrobe, ich schon in Küchenschürze und mit Kopftuch -, angetan mit Räucherstäbchen und Zimbeln, durch das noch leere Seminarhaus, um gemeinsam zu chanten und die Götter und Ahnen um ihren Beistand zu bitten. Das ist immer sehr schön – und manchmal auch ziemlich lustig :)

Zuvor wird Äd zwei Tage bei mir verbringen, dann werden wir wieder Wein trinkend auf dem Balkon sitzen und Salamiplatten verzehren, die er vorher liebevoll angerichtet hat. Ja, der Mann ist Zenmeister, ich habt schon richtig gelesen! Aber was ich an ihm so liebe, ist, dass er eben nicht der Erwartung entspricht, die man gemeinhin von so einem “hohen Tier” hat: und dazu gehören doch meistens Enthaltsamkeit und selbstverständlich keine Drogen, sprich Alkohol. Nun denn, Prost Ihr Lieben. Ich muss wieder zu meinen Keksen!


Die Herzensköchin . . . zurück im Salöng

So, nun hat mich die “normale” Welt wieder. Die Drehzeit ist längst Geschichte; heute Morgen stand ich wieder um halb sieben auf der Matte, um mit Lilo – einer der Salonköchinnen – gemeinsam zu rühren, hacken, braten, brutzeln. Ich rührte cremige Frischkäsehauben für unsere Karotten-Ananas-Kokos-Kuchen an, zauberte frische Brotsaufstriche für die Theke, trank nebenher English Breakfast mit Milch und Honig, der allerdings langsam in der Tasse kalt wurde, weil so viel zu tun war, und hörte mir an, wie die Welt sich auch ohne mich im Salöng, pardon im Gartensalon, weitergedreht hat, während ich zehn Mal hintereinander die gleiche französische Landstraße entlang getrottet bin, immer gegen den Wind – oder den Wind im Rücken, wenn es die Kameraeinstellung erforderte -, um das beste Bild von mir einzufangen. Ich schlürfte Austern in Saint Foy de la Grande vor der Kamera, während meine Kolleginnen Rühreier im Akkord brieten, ich latschte angetan mit Rucksack und Uraltklamotten zig Mal den Bahnsteig des Bahnhofs in Bordeaux entlang (um meine vielen Reisen als junge Frau zu simulieren), während Lilo Eintöpfe und Suzi ihren ersten Polentaauflauf kochte. Übrigens, wisst Ihr eigentlich, dass man sich im Film ächt (Hi ÄD!) einen Wolf latscht??? Man latscht von A nach B wie ein Volltrottel, um “Bewegung in den Film zu bekommen” (O-Ton von ihrend so nem Filmheini). Mal entlang einer Straße, dann wieder in der eigenen Wohnung, wie der sprichwörtliche Tiger im Käfig – immer die Kamera dicht am Nacken. Man erlatscht sich quasi den gesamten Film: am Strand entlang, durch Regenpfützen (Großaufnahme auf die durchweichten Füße), auf dem Einheimischenmarkt. durch ellenlange Gebäude diverser wichtiger Gebäude, wie die ehemalige Schule, übers Klostergelände, usw usw . . . latsch, latsch, latsch. Oder man sitzt wahlweise: zum Interview vor schönen oder nicht so schönem Ambiente, je nach Stimmung der Regisseurin, sinnierend am Küchentisch, in die Luft starrend auf einer Wiese, oder der ächte (Hi Äd) Härtetest: inmitten von hundert Menschen in einer dunklen Mediationhalle mit Lichtspot aufs eigene unvorteilhaft unausgeschlafene Gesicht.

Da war die Abwechslung heute richtig super; was hab ich meine Mädels vermisst, auch wenn Amy noch in Afrika weilt, denn sie vermisse ich am allermeisten. Aber viele der anderen waren da, um mich zu begrüßen und mich wieder in ihre Reihen aufzunehmen, als wäre nichts gewesen. Das ist Gastronomie, da wird nicht lange gefackelt, ein kurzes “Wie wars?!” und dann wird losgelegt. Und so latschte ich eigentlich auch heute, nämlich zigmal den Weg von der Küche hinunter ins Warenlager, um Zeugs hochzuschaffen, das verkocht, verarbeitet, zu Brei gestampft (kleiner Scherz), zerschnitten, geschält und verwurstet (noch einer) werden musste. Back to the roots . . . Ich hab jede Minute und jeden Schritt genossen!


Brot und Kas . . . und kein Bergfest auf dem Berg!

Euer Moviesternchen hat den Weg wieder hinunter ins Tal gefunden. Zwei Tage haben wir nun oben auf meiner Lieblingshütte in den Bergen gedreht. Ich mimte die erdige Naturfrau mit Hang zum Holzhacken und zum Quellwasserschleppen. Nein, nicht ganz so natürlich, aber es stimmt schon, ich zieh mich gerne zurück und verbinge immer wieder mal ein paar Tage und Nächte dort oben, ganz alleine mit mir und dem Fuchs,der jede Nacht um die Hütte schleicht, um nachzusehen ob etwas Essbares von den Menschen für ihn abfällt. Also drehten wir dort oben bei strahlendem Sonnenschein, getrübt von einem sommerlichen Regeschauer, der einen herrlichen Regenbogen über das Hüttendach und die angrenzenden Berggipfel zauberte. Abends, nach Drehschluss, warf der Kameramann Moritz den Grill an, und wir schmausten unter der Markise, bis die Bäuche fast platzten, der meine jedenfalls. Die Nacht war dann recht ruhig, sodass wir alle ausgeschlafen um halb neun Uhr schon wieder vor und hinter der Kamera standen: Susanne sinnerend am Küchenofen, Susanne einschürend, Susanne isst Butterbrot, Susanne trinkt Kaffee, Susanne meditiert in der guten Stube, Susanne kocht Bolognese für den Besuch, den sie erwartet . . . usw. usw. Bei: “Susanne klettert mit einer Flasche Limo aus dem Kellerloch in der Stube, wobei sie mit dem einen Arm die Falltüre von unten hochstemmt, während sie mit dem anderen Arm die Limo so hält, dass keine Schleichwerbung entsteht”, wurde ich dann von filmuntauglichen Lachkrämpfen erschüttert, weil ich die verfluchte Falltüre von unten nicht hochbekam und durch die Ritzen des Bodens immer nur das “Bitte” (mein Signal zum Start) des Kamermanns hörte. Ich bekam das Ding aber ächt (Hi, Äd) nicht hoch :) Danach wurden die Jungs dann so richtig übermütig, denn als es ans Drehen von “Susanne meditiert gaaanz heilig auf dem Sofa in der Stube mit umgehängter Wolldecke” ging, kam das obligatorische “Bitte” und ich versank in Meditation . . . und die Jungs verschwanden vom Set . . . hahahaha!

Leider feierten wir kein Bergfest auf der Hütte, was ja nahegelegen hätte, ein Bergfest auf dem Berg. Aber wenn ich ehrlich bin, wir hatten schon auch die einen oder anderen Schwierigkeiten im Team – es ist sicher nicht leicht, sich immer wieder auf neue Menschen und deren Leben einzustellen. Und auch die Kamerateams arbeiten nie wirklich fest zusammen. Autor, Tonmann, Kameramann und Assistent werden immer wieder neu zusammengewürfelt; für alle ein Drahtseilakt. Aber wir werden nachfeiern, nur nicht alle zusammen. Das haben wir uns versprochen. Und dann werden wir auch gemeinsam den neu einstudierten Kanon des Kameramanns fröhlich gemeinsam schmettern: Brot und Kas, Kas und Brot . . . Und ein Krügerl Bier dazu . . . Uns schmeckt das!  Prosit, Ihr Lieben!!!


Bergfest

Wow, über die Hälfte der Drehtage für die LEBENSLINIEN sind nun schon rum. Eigentlich wollten wir in Bordeaux “Bergfest” feiern, aber da waren wir alle zu müde und erschöpft vom drehen. Als Bergfest wird in Filmkreisen die Hälfte des Drehs bezeichnet, dann wird gefeiert, auf die bisherige Zeit angestoßen und gut gegessen. In der kommenden Woche drehen wir auf meiner geliebten Hütte in den Bergen – wohin ich mich zum Schreiben, Meditieren und Lesen regelmäßig zurück ziehe. Und was liegt näher, als dort oben das Bergfest nachzufeiern? Ich freu mich schon so. Wir werden Pasta Bolognese kochen, ein Lagerfeuer machen und ein kleines Fass Bier anstechen. Leise Wehmut schwingt schon jetzt in meinem Herzen mit, wenn ich daran denke, dass diese intensive Zeit mit dem Team bald vorbei sein wird. Kaum jemals ist mir jemand so nah gekommen wie diese Menschen mit ihrer Kamera. Da wächst für eine kurze Zeit eine Familie zusammen, und es ist schwer, sich dann wieder voneinander zu verabschieden. Wir haben zusammen gelacht und uns die Bäuche mit Muscheln vollgestopft. Wir haben bei Wind und Wetter draußen ausgeharrt, um die besten Bilder in den Kasten zu bekommen. Wir sind um vier Uhr morgens aufgestanden, um die erste Mediation mit hundert Leuten im Kloster mitfilmen zu können; mittendrin die Herzensköchin mit Licht-Spot im Gesicht, in der ansonsten nachtdunklen Halle. Wir haben bei meiner Lesung unter kollektivem Lampenfieber gelitten und gemeinsam gehofft, dass es ein Erfolg wird. Wir haben im Zenkloster heimlich Wein getrunken (hoffendlich liest das jetzt nicht Sister Peace, die nette Äbtissin im New Hamlet) und uns in Bordeaux nochmal aus den Zimmern gestohlen, um einen letzten Absacker auf der Terasse zu genießen. Und jetzt steht das Bergfest an – und zuvor noch ein sicher sehr berührender Tag in jener Klinik, die mich vor acht Jahren aufgenommen hat, als ich vor Angst so krank gewesen bin, dass ich nicht mehr ein noch aus wusste. Ich freu mich auf diese Woche . . . und, wie Sister Peace so schön sagen würde: “A Lotus for all of you, dear friends!” Darauf noch ein Gläschen Rosé, oder????


Moules Frites und . . . ÄKTSCHN!

Hinter mir liegt eine aufregende Zeit: Drehtermin für die LEBENSLINEN des Bayerischen Rundfunks in Frankreich. Fünf Tage war ich mit dem BR-Team unterwegs, auf den Spuren meines Lebens. Die Wahl fiel auf Frankreich – genauer Bordeaux und Umgebung – weil wir gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen konnten, wie man so schön sagt. Wobei: Wir drehten ein paar Tage in Plum Village, dem Zenkloster von Thich Nhat Hanh, und da tut man ja bekanntlich keiner Fliege was Zuleide. Der Buddhist an sich ist absolut gewaltfrei. Da darf die Fliege auch mal steinalt werden; lediglich die vielen Frösche und Kröten der insgesamt drei Lotosteiche – wer Plum Village kennt, der weiß, dass sich das Kloster auf drei Areale erstreckt, die jeweils ein paar Kilometer voneinander getrennt sind. Und jedes dieser “Hamlets” hat natürlich seinen eigenen Lotosteich! -  könnten da einem langen, glücklichen Insektenleben einen Strich durch die Rechnung der gemeinen Stubenfliege machen – aber ich schweife ab.

Ich bin als junge Frau sehr viel alleine durch die Welt gereist; dies wollten die Fernsehmenschen in Frankreich “nachstellen”. Also packte ich meinen uralt Klamotten – Gott sei Dank schmeiß ich ja kaum was weg – aus der Versenkung und schmiss mich in Hippiehose und Jesuslatschen, um, ausgerüstet mit einem alten Rucksack, das Backpackerfeeling von damals für die Kamera noch einmal nachzuspielen. Ein heiden Spaß, wenn es nur nicht so arschkalt gewesen wäre! Irgendwann, im Laufe ihres Lebens, fand Eure Herzensköchin dann den Weg zum Buddhismus – ich weiß, eine Trenderscheinung, aber ich liebe nun mal den Mainstream – und schlug in ihren Dreißigern erstmals in Plum Village auf. Zwei intensive Drehtage dokumentierten diese erste Berühung mit Buddha und Co.

Solche Drehtage sind ächt (hi Äd – kleiner Insider, wie Ihr wisst) lang und da freut man sich – Zenkloster hin oder her – auf ein anständiges Glas Wein und auf all die Köstlichkeiten, die so ein Land wie Frankreich in petto hat. Komischerweise starteten wir unsere erstes gemeinsames Abendessen mit Steak und Lammfleisch, obwohl uns das rein vegane Mittagessen im Kloster trefflich mundete. Aber, und die Veganer und Vegetarier unter Euch mögen es mir verzeihen, wir sehnten uns nach der Plackerei vor und hinter der Kamera nahezu nach einem ehrlichen Stück Fleisch zwischen den Zähnen, am besten noch halb blutig. Shame on us! Und nach Roséwein, der kühl und blumig durch unsere Kehlen floß, wie es wohl nur in Frankreich möglich ist. Als wir aber nach zwei Tagen Klosterdreh in der nahegelegenen Kleinstadt eincheckten, um dort Stadtszenen zu “shoten” wendete sich das kulinarische Blatt . Wir entdeckten eine lauschige, leicht herunter gekommene Kneipe unter den Arkaden nahe der Dordogne. Morbider Charme gepaart mit exzellentem Essen, was will man mehr! Auf der Karte: Miesmuscheln mit Pommes, der Wahnsinn. Die beste Kombinatione ever. Und so verbrachten wir die restlichen Drehtage immer mit der gleichen Bestellung: Moules et Frites mit reichlich Rosé – jedenfalls Moritz, der Kameramann, und ich. Die restliche Crew war da schon experimentierfreudiger und mampfte sich durch Entenconfit und andere Schweinerein. Bon Apetit!


Ein Tütchen aus Sri Lanka

Heute Morgen habe ich vor meiner Haustüre ein kleines Päckchen gefunden. Kennt Ihr das auch, diese Tage, an denen sich im Herzen so eine Sehnsucht regt, gepaart mit ein bisschen Traurigkeit vielleicht? Tage, an denen man das Gefühl hat, dass keiner an einen denkt, dass die Liebe immer nur die anderen küsst und man selbst stets leer ausgeht. Und diese Gefühle sind mit einem Mal da, obwohl es liebe und herzensgute Freunde in meinem Leben gibt, derentwegen ich mich glücklich schätzen kann. Nun denn, ich hatte also trotzdem dieses blöde Gefühl von “Nicht-Geliebt-Sein”, als ich mit einem Mal im Dunkel des Hausgangs fast über ein kleines gestreiftes Tütchen gefallen wäre. Darin: Gewürze aus Sri Lanka, Räucherstäbchen und ein Brief, der nach den Vanilleschoten duftete, die neben ihm steckten und die in braunes Packpapier gewickelt waren, sodass ich zuerst nur am Duft erkennen konnte, welche Schätze da auf mich warteten. Eine ehemalige Kursteilnehmerin, mittlerweile längst Freundin geworden, hatte auf ihrer Reise im fernen Asien an mich gedacht. Im dazugehörigen Brieflein: Worte der Zuneigung und Vorfreude auf ein Wiedersehen. Und da war sie plötzlich, die schmerzlich vermisste Liebe, mitten auf dem Hausflur küsste sie mich freundschaftlich, nahm mich in den Arm und roch nach Gewürzen des Orients. Mit den Zimtstangen brüh ich mir nachher einen Chai auf, während auf meinem kleinen Hausaltar ein Räucherstäbchen abbrennen wird. Und die Vanille wird im nächsten Kurs verwertet – Danke, liebe Catharina! Love is all around, man erkennt sie manchmal nur nicht gleich – Eure HvD :)


Torta della Nonna

Seit ich auf meiner Facebookseite ein Foto eine frisch gebackene Torta della Nonna gepostet habe, kommen immer wieder Anfragen zum dazu gehörigen Rezept. Um es gleich vorweg zu nehmen: Das gute Stück ist natürlich nicht auf meinem Mist gewachsen; das Rezept stammt von Leila Lindholm, einer waschechten Schwedin. Diese Tatsache lässt vermuten, dass die Leila so weit weg von einem Originalrezept für einen italienischen Kuchen ist wie die Schweinshaxe vom Köttbulla, doch mitnichten. Leila Lindström hat mit dieser Köstlichkeit in Sachen “total original italienisch” den Nagel auf den Kopf getroffen, obwohl es eine Eigenkreation dieser brühmten Fernsehköchin aus dem hohen Norden ist, die ihre Wurzeln allerdings in Marokko hat, also immerhin südländisch. OK, zugegeben, eine ächte (Hi, Äd!!! – kleiner Insider für alle regelmäßigen Blogleser) Torta della Nonna besticht mit einer sämigen Zitronencreme als Toping, die den Geschmacksknosen im Mund einen wahren Orgasmus an Süße beschert. Man hat dabei fast das Gefühl, dass man das Ding gerade inmitten eines sizilianischen Zitronenhains schlabbert, wo die Früchte schwer sind von säuerlicher Süße und Sommer. Darauf, auf die Zitronencreme, hat die gute Leila aber verzichtet – wohl weil zu schwierig – und ruckizucki eine einfachere Variante als Einstieg erfunden. Und nach Zitronenhainen kann man in Schweden eh suchen, wie nach der berühmte im Stecknadel im Heuhaufen. Trotzdem, sehr gelungen, wie ich finde . . . Check it out!

ZUTATEN

150 g weiche Butter

300 g Marzipanrohmasse (ich hab auf 500 g aufgestockt und es hat der Torta keinesfalls geschadet, im Gegenteil)

6 Eier

250 g Ricotta

abgeriebene Schale von 1 unbehandelten Zitrone

abgeriebene Schale von 1 unbehandelten Orange

3-4 Tropfen Bittermandelkonzentrat (kriegt man z.B. von Dr. Oetker)

30 g Weizenmehl

Butter und Mandelblättchen für die Form

Mandelblättchen (im Original sind es Pinienkerne, die waren mir aber zu teuer) und Puderzucker zum Bestreuen

ZUBEREITUNG

Den Backofen auf ca. 175-180 Grad vorheizen. Butter und Marzipan cremig rühren . Nach und nach Eier unterschlagen und verrühren. Ricotta, Zitrusschalen und Bittermandel unterrühren. Schließlich das Mehl mit den Händen einarbeiten. Eine Springform mit 26 cm (oder mit 24 cm – beides geht!)Durchmesser großzügig mit Butter einfetten und einen Teil der Mandelblättchen ausstreuen, so dass der Boden locker bedeckt ist. Teig in der Form verstreichen und mit Mandelblättchen bestreuen. Auf mittlerer Stufe im Ofen ca. 30 Minuten backen. Holzstäbchenprobe machen! Auskühlen lassen und kurz vor dem Servieren mit Puderzucker bestäuben.

(Aus: Backen mit Leila, AT Verlag)

 

 


Prinzi Vol. 2

Es hat geklappt!!! Juchu! Ok, einige Abstriche mussten wir in Kauf nehmen, aber es war ja auch der erste Testlauf. Die Butter-Schoko-creme sah super aus, leider hat sich der Zucker nicht ganz aufgelöst, sodass es beim Essen nun ein bisschen zwischen den Zähnen knirscht. Ich werde beim nächsten Mal auf Puderzucker zurückgreifen. Außerdem wurde der Teig zu knapp, zwei der acht Böden wurden so dünn, dass sie nicht mehr verwertbar waren, weil sie mit der Form quasi verbackten und nur noch bröselweise vom Blech geschabt werden konnten. aber ne sechstöckige Prinzregententorte ist auch schon sehr sehr cool. Oder? Die Bilder könnt Ihr übrigens, wie versprochen, auf FB sehen.

Nach der Backsession haben meine Freundin und ich uns erstmal zwei Pizzen reingezogen – was Herzhaftes musste her nach all dem süßen Zeugs. Und wir haben mit Sekt angestoßen, schließlich bäckt man ja nicht alle Tage ne Torte. Heute Morgen – die klassische Prinzregetentorte muss über nach im Kühlschrank ruhen – hab ich mir dann ein Stück des Prachtgebildes im Bett, mit einer Tasse Kaffee, genehmigt. Was gibt es schöneres . . . ? Eure Herzensbäckerin vom Dienst


Prinzregententorte Vol. 1

Ich steh schon in den Startlöchern. Später kommt  eine gute Freundin zu mir; wir wollen zusammen eine Prinzregententorte backen. Ahh, ich hab schon Schiss, denn das Ding ist ja recht aufwändig in der Herstellung. Also hab ich mir Beistand geholt. Allerdings bleibt mir keine andere Wahl als die Torte zu backen, denn im Rahmen eines neuen, noch geheimen Buchprojekts wird Eure Herzensköchin in den nächsten Monaten zwangsläufig zur Herzensbäckerin moutieren. Dabei krieg ich doch seit neuestem wieder den Knopf meiner alten Lieblingsjeans zu – Shit! Und es ist selbstredend klar, dass ich all das Zeugs werde probieren müssen.  Aber wie einer meiner Meditationslehrer so schön sagt: Ist eh alles nur leere Form. Hä? Meint der jetzt mich oder die  – noch – leere Springform auf meinem Küchentisch, die nur darauf wartet, später mit lecker, süßem Biskuitteig gefüllt zu werden. Anyhow,  ich werde Fotos von dem Prachtexemplar machen – von der Torte natürlich, nicht von mir -  und sie heute noch auf meine Facebookseite stellen, versprochen. Also, drückt mir die Daumen, dass sie gelingen möge . . .


Der Glücksvirus

“Letzte Nacht fing ich mir den Glücksvirus ein,

Als ich draußen unter den Sternen sang.

Er ist extrem ansteckend,

Also küss mich.”    (Hafiz)

In den den letzten Wochen hab ich keine Sekunde lang den Kochlöffel in der hand gehalten. Ich wurde bekocht – drei ganze, lange Wochen lang. Wie jedes Jahr bin ich zum Schweigen und Meditieren nach Niederbayern gefahren. 22 Menschen finden sich da alljährlich ein, um unter der Anleitung einer erfahrenen Meditationslehrerin eben den ganzen lieben, langen Tag nichts andres zu machen, als Wechsel im Sitzen oder im Gehen zu meditieren. Versorgt werden wir von einem Team, das im Seminarhaus lebt und arbeitet. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Meckern oder Mäkeln gibt es nicht, denn Reden ist ja “verboten”. Es gibt auch keinen Speiseplan, der aushängt, man wird jeden Tag aufs neue überrascht, was da in den großen Töpfen auf dem Buffettisch mittags vor sich hindampft. Morgens gibt es immer Brei, für mich eine große Herausforderung. Ich schaffe es jedes Mal genau zehn Tage lang, ihn zu essen, dann kommt das großes Grausen, um es mal hart zu formulieren. Ich steige regelmäßig um auf Butterbrot und Joghurt mit Honig. Ich krieg das Zeugs dann einfach nicht mehr runter. Nicht weil er nicht schmeckt, die Konstistenz ist es, die mir zu schaffen macht . . . Brrrr. Da wir auch beim Essen medieren sollten, gar nicht so leicht, ehrlich gesagt, ist es total interessant zu beobachten, wie schnell der Geist etwas verurteilt und verschmäht und wie gierig er wird, wenn es schmeckt. Dann gilt die Devise: Mehr, mehr, mehr, und so schnell kann man gar nicht schauen, steht man schon wieder am Topf und holt Nachschlag. Obwohl man vielleicht schon satt ist.

Ich hab heuer aber “Kein-Nachschlag- und keinen Nachtisch” praktiziert. Egal, was es gab, ich nahm mir immer nur einen Teller voll. Einfach bei Brei, den hab ich ja dann irgendwann gleich links liegen lassen. Bei Basmatireis mit Linsen und Spinat wurde es schon schwieriger. Puh, da musste ich ganz schön tricksen, um den Reisberg so hoch wie möglich zu bekommen, denn in die Breite ging es wegen der Tellerrandbegrenzung irgendwann nicht weiter. Diese verdammte Gier, unglaublich, wenn man mal nicht aufpasst. Beim Nachtisch hatte ich leichtes Spiel. Ich mag keine Quarkspeisen und die gab es fast ausschließlich. Aber eines Tages lagen da Schokokekse auf einem großen Teller, nach dem Mittagessen zum Kaffee am Nachmittag. Ich schlich mehrere Stunden um sie herum – immer wenn die Sitzmediation aus war und Gehmeditation dran kam huschte ichvorher kurz zum Schokokeksparadies -, und dann, ich hatte einen Moment nicht aufgepasst, griff am späten Nachmittag, es lagen nur noch drei Kekse auf der Platte, meine Hand zu und ein herrlicher Keks landete in meinem Mund, ohne dass ich irgendetwas dagegen tun konnte. Und ich sage Euch, er war sooooooo gut . . . fast so toll wie der oben erwähnte Glücksvirus, aber leider nur ein flüchtiges Glück. Bis bald, Ihr Lieben, Eure HvD


“Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, . . . “

. . . würde ich mehr Eis und weniger Salat essen!” Das ist doch ganz im Sinne einer Herzensköchin, die viel zu selten bloggt im Moment. Aber heute schenke ich Euch als Entschuldigung einen wunderschönen Text, den mir meine liebe Cousine Sofia eben hat zukommen lassen. Sofia ist eine junge, bildhübsche Frau und liebt Pasta, by the way. Am besten jeden Tag! Sie schert sich einen Dreck um Diäten und Bodymaßindex. Ich liebe sie . . . nicht nur dafür!

Wenn ich mein Leben
noch einmal leben könnte, im nächsten Leben,
würde ich versuchen, mehr Fehler zu machen.
Ich würde nicht so perfekt sein wollen, ich würde mich mehr entspannen.

Ich wäre ein bisschen verrückter, als ich es gewesen bin,
ich würde viel weniger Dinge so ernst nehmen.
Ich würde nicht so gesund leben, würde mehr riskieren.
Ich würde mehr reisen, mehr Sonnenuntergänge betrachten,
mehr Bergsteigen, mehr in Flüssen schwimmen.

Ich würde an mehr Orte gehen, wo ich vorher noch nie war.
Ich würde mehr Eis essen und weniger Salat.
Ich würde mehr echte Probleme als eingebildete haben.
Ich war einer dieser klugen Menschen,
die jede Minute ihres Lebens fruchtbar verbrachten.

Freilich hatte ich auch Momente der Freude,
aber wenn ich noch einmal anfangen könnte,
würde ich versuchen, noch mehr gute Augenblicke zu haben.

Falls du es noch nicht weißt, aus diesen besteht nämlich das Leben,
nur aus Augenblicken.
Vergiss nicht das Jetzt!

Ich war einer derjenigen, die nirgendwo hingingen
ohne ein Thermometer, eine Wärmflasche, einen Regenschirm und Fallschirm.
Wenn ich noch einmal leben könnte, würde ich leichter reisen.

Wenn ich noch einmal leben könnte,
würde ich von Frühlingsbeginn an bis in den Spätherbst hinein barfuß gehen.
Ich würde mehr Karussell fahren, mir mehr Sonnenaufgänge ansehen und mehr mit Kindern spielen,
wenn ich das Leben noch vor mir hätte.

Aber sehen Sie… ich bin 85 Jahre alt und weiß, daß ich bald sterben werde.

Jorge Luís Borges

 


News from Äd

Vor ein paar Tagen haben Äd und ich die neuen Termine für 2013 klar gemacht. Mein alter Freund und ich haben geskyped – was für eine wunderbare Einrichtung – und uns übers Kochen und Gott (äh Buddha) und die Welt unterhalten. Wir arbeiten nun schon ein paar Jahre zusammen, der berühmte Zenkoch und ich, und es ist nicht immer leicht mit uns beiden. Äd ist so ziemlich der emotionalste Mensch und Koch, den ich kenne. Und vielleicht berührt er mich deshalb immer wieder aufs neue.  Diesesmal kommen auf uns beide aufregende Zeiten zu, denn der Bayerische Rundfunk wird einen Dokumentarfilm 2013 mit mir drehen und Äd wird dabei eine kleine Rolle übernehmen. Klein ist gut, denn in Wirklichkeit war er es, der meinem Leben im Jahr 2006 eine prägnate Wendung gab – ohne es zu wissen. Ich sah damals im Kino seinen Film HOW TO COOK YOUR LIFE und mir war sofort klar, dass das genau das ist, was ich auch machen wollte. Also wurde ich Köchin – ratzfatz – und hängte meinen Buchhändlerjob an den Nagel. Ich heftete mich an Äds Fersen und besuchte ihn Amerika. Wir konnten uns auf den Tod nicht ausstehen. Zwei emotionale Menschen in einer Küche, das kann nicht gut gehen, oder? Kann es doch. Nach Jahren der Annäherung und dem langsamen Wachstum einer Freundschaft, werkeln wir nun gemeinsam am Herd. Ist das nicht wunderbar?! Wir sind eben alle verletzlich, schlagen manchmal um uns und kochen unser eigenes Süppchen. Wir kochen hoch, wir kochen über, wir werden zu schnell heiß, wir brennen an, kleben fest; unser Leben fühlt sich manchmal übersüß und zuweilen total versalzen an. “Das Leben ist ein einziges Mahl”, sagt man im Zen. Manchmal – und leider nicht zu selten – wird daraus nicht das, was das Rezept versprochen hat, trotz Hochglanzbildchen und Mengenangaben. Oft muss man auch aus den Zutaten, die gerade da sind, ein Gericht zubereiten – was anderes gibt es eben nicht. Äd ist ein wunderbarer Zenlehrer und kann uns viel darüber erzählen, über das Kochen und über das Leben an sich – und manchmal ist es besser, man duckt sich rechtzeitig. Sonst trifft einen der Teigklumpen, den er gerade wütend durch die Küche schmeißt, weil mal wieder keiner zuhört. Äd kommt wieder im Juni nächsten Jahres. Vom 4.6. an kochen wir wieder gemeinsam in Scheibbs – Come and join us!!!


Mann muss nicht in der Pfanne gelegen haben, um . . .

über ein Schnitzel schreiben zu können! Dieses Zitat entsprang der Feder von Maxim Gorki; ich mag es sehr. Dabei will ich heute gar nicht über Schnitzel schreiben, sondern mal wieder ein paar allgemeine Geschichten aus der Welt meines Köchinnendasein zum Besten geben. Letztens war ich zum allerersten Mal seit ich Achtsamkeitskochkurse gebe (immerhin bereits seit 2010!) bei einer meiner Kursteilnehmerinnen zum Essen eingeladen. Es war so berührend für mich,und aufgeregt war ich auch! Sie hatte eine kleine Tischrunde eingeladen, ein Gericht aus dem Kurs gekocht und sich sehr viel Mühe gegeben – immer wieder wurde ich zitiert. Es ist gar nicht so leicht, Lob und Komplimente anzunehmen. Ich hab mich sehr gefreut!!! Geladen war aber auch zum “Literaturabend” (was für eine schöne Idee) – jeder sollte eine Passage aus einem seiner Lieblingsbücher vorlesen. Ich fühlte mich an die Literatursalons aus dem vorherigen Jahrhundert erinnert; man sitzt zusammen, trinkt guten Wein – meine Gastgeberin war Französin, das sagt wohl alles – und liest sich gegenseitig vor. Es wird über die Bücher diskutiert, sich angeregt unterhalten und . . . noch ein Gläschen getrunken, herrlich. Ich habe aus “Hodder, der Nachtschwärmer” eine Geschichte vorgelesen. Hodder, dem eines Nachts eine abgewrackte, gelangweilte Fee erscheint, die eigentlich niemandem mehr erscheinen will, weil sie keine Lust dazu hat. Sie überbringt Hodder einen Auftrag: er soll die Welt retten. Hodder ist Halbwaise, sein Vater klebt nachts Plakate in der Stadt, er ist klein, ein Looser und ein Aussenseiter in der Schule. Er ist in seine Lehrerin verliebt und liebt Zimtschnecken vom Bäcker nebenan. Er denkt, die Fee hat sich geirrt, ein Mensch wie er kann niemals die Welt retten!!! Nun, die Geschichte endet einfach zauberhaft – es geht um Freundschaft und Liebe. Wie immer halt im Leben, oder meine Lieben?! Bis bald, ich verspreche nun wieder öfters zu schreiben . . . Eure Herzensköchin.


 

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