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Frau Trost

Liebe Blogleser und -leserinnen, ich war nachlässig die letzten Monate, ich weiß. Shame on me! Ich könnte es jetzt auf die große Hitze schieben, die uns hier in der Stadt – und nicht nur dort – plagt. Habt ihr schon mal bei 40 Grad draußen und gefühlten 400 Grad drinnen (also am Herd) Rühreier gebraten? Ich kann Euch sagen, das ist ächt (Hi Äd!) der Hammer. Aber wir Salonmädels sind ja hart im nehmen und lassen uns nicht von der Bullenhitze die gute Laune verderben. Ich weiß noch, wie ich im Juni mit Äd (ja, genau dem!) nach Scheibbs gefahren bin zu unserem jährlichen Zen-Kochkurs. Da war die Autobahn via Salzburg wegen Überschwemmung gesperrt und wir mussten über Passau zuckeln – und jetzt verglühen wir bei lebendigem Leib. Äd saß damals im Auto und bestaunte die reißende Donau während er ein zwei Wochen alten Sandwich genüsslich verspeiste. Ich hab Euch ja schon mal erzählt, dass ein Zenkoch nichts, aber auch wirklich gar nichts wegschmeißt. Bei seiner Ankunft in der Tschechei, seinem ersten Ziel auf seiner diesjährigen Europatour, hatte ihm seine Gastgeberin eben genau dieses Sandwich überreicht. Der Arme hatte doch sicher Hunger nach so einem langen Flug, dachte sie. Hatte er nicht. Also verstaute er das Brot mit Käse in seinem Handgepäck und nahm es überall mit hin, bis er bei mir 14 Tage später  in München aufschlug. Als es dann – nach einem feuchtfröhlichen Abend – daran ging, nach Scheibbs los zu düsen, hielt er mir freudestrahlend etwas graues, entsetzlich stinkendes Etwas unter die Nase: das Sandwich. “Ich hab da was für die Fahrt!”, sagte er (natürlich auf Englisch), und dann nahm er eine Pfanne, erhitze Butter darin und briet das Ding von beiden Seiten goldbraun an. Noch warm in eine Plastiktüte verpackt (IGITT) und schon konnte es los gehen – mitsamt Proviant. Leider musste ich einmal beißen, er bestand darauf. Es schmeckte unglaublich sch…. und ich hatte die ganze weitere Fahrt über so einen seltsamen Film am Gaumen, der nach Verwesung schmeckte und irgendwie metallisch war. Gott sei Dank wurden wir nicht krank davon.

Jetzt aber zu Frau Trost, der ich heute im Hofpister (einer tollen Münchner Bäckerei, deren Filialen sich über die ganze Sadt erstrecken) begegnete. Ich musste Brot holen gehen, denn ich hatte als einzige im Salon grad nix zu tun. Der Nudelsalat (in einer riesen Wanne verstaut) war fertig.  Bei der Hitze kann man fast nur kalte Küche anbieten, und die ersten Frühstücksgäste waren noch nicht da. Also dackelte ich los, mit dem Gefühl, niemals wieder einem Backofen entrinnen zu können. Schon um kurz nach Neun wars Knalleheiß in Schwabing.  Und als ich die Türe zu Bäckerei aufstieß, da flirrte die Luft im Laden fast und die arme Fra Trost stand mit knallrot gefärbten Haaren und einer ebensolchen Gesichtsfarbe schwitzend hinter dem Tresen, wie ein riesiges Steichholz kurz vor dem Entflammen. Im Hintergrund buken gerade die Brezen fertig und Frau Trost (ich erfuhr den Namen von ihrem kleinen Schildchen an der Brust) schaute mich an, als könne sie bei mir Trost finden. Ich wollte schon los schwadronieren, was für einen schönen Namen sie habe, weil doch der Duft von gebackenen Brot so viel Trost spenden kann, doch als ich anhob und Luft holte, da sah ich in ihren Augen, dass jedes romantische Dahergeschwafel vollkommen Fehl am Platze  sein würde. Frau Trost wollte nur noch weg – vielleicht um Trost in den Fluten der kalten Isar zu finden, oder an einem schattigen Plätzchen mit einem Eiskaffee vor der Nase, oder . . . ach was weiß ich! Kann mal jemand da oben den Backofen ausschalten! Wir sind schon durch!!!!


 

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