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Der Geschäftsmann und die Zugfahrkarten

Auf Facebook habe ich letztens versprochen, dass ich eine unglaubliche “Helfer-Geschichte”, die mir einst widerfahren ist, erzählen will. Es ist zwar keine “Kochgeschichte”, aber trotzdem herzzerreissend, finde ich.

Als ich eine junge Frau war, genau genommen 20 Jahre alt, machte ich mich auf meine erste große Reise; ich fuhr ganz alleine nach Südostasien und verbrachte dort drei Monate. Ich wurde unendlich oft von Heimweh geplagt und mehrmals war ich nahe dran, nachhause zu fliegen. Doch irgendwann lernte ich auf einer thailänsichen Insel ein kleine Engländerin kennen – sie war wirklich winzig, hatte dafür ein umso größeres Herz -, Sue, dich mich fragte, ob wir gemeinsam weiter reisen würden. Von dem Zeitpunkt an war ich nicht mehr einsam und wir reisten zusammen bis hinunter nach Bali. Auf unserer Rückreise nach Bangkok, mittlerweile waren Wochen vergangen und wir hatten eine wunderbare Zeit miteinander verbracht, machten wir in Kuala Lumpur Halt. Die Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt mit dem Bus war abenteuerlich und anstrengend – und letztendlich landeten wir vollkommen orientierungslos auf einer von Blechlawinen umbrandeten Verkehrsinsel und wussten nicht mehr weiter. Um uns toste dermaßen der Berufsverkehr, dass wir uns fürchteten, die Straße zu überqueren. Zudem wussten wir nicht, wo wir waren, wollten wir doch nach Chinatown, um uns dort eine billige Unterkunft zu suchen. Wir waren müde und irgendwie verzweifelt. Da hielt plötzlich ein schwarzes Auto am Bordstein. Ein freundlicher Herr in Nadelstreifen fragte uns, ob er uns mitnehmen könne. Wir waren natürlich sehr skeptisch: Fremder Mann, fremdes Land, fremdes Auto. Aber wir waren so erschöpft, dass wir einstiegen. Die Klimaanlage summte, der freundliche Herr blieb weiterhin freundlich und wir steckten gemeinsam im Megastau. Wir erzählten ihm, dass wir nur auf der Durchreise seien und übermorgen mit dem Zug weiter wollten. Und dass wir noch keine Unterkunft hätten. Der arme Mann hatte einen langen Geschäftstag hinter uns, aber das schier Unglaubliche passierte: Er fuhr zum Bahnhof – was Stunden brauchte, bei dem Höllenverkehr – und kaufte, bzw. schenkte uns zwei Zugtickets, dann fuhr er weiter nach Chinatown, suchte ein kleines Guesthouse für uns aus und verhandelte mit der Besitzerin einen fairen Preis . . . den er letztendlich auch  aus seiner Tasche bezahlte. Dann stieg er in sein Auto, wir waren sprachlos und stammelten unzusammenhängende Sätze des Dankes. Er ließ die Scheibe runter und sagte: “Wenn Ihr eines Tages in Eurer Heimatstadt einen hilflosen Asiaten seht, der nicht mehr weiter weiß, dann denkt an mich und helft ihm!”


 

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